BZ7T7310_Diskussion

Foto: Offene Diskussion auf der Zukunft Personal
© Fotostudio Franz Pfluegl

Das Wichtigste vorneweg: Am 21. September 2015 startet ein offener Online-Kurs, der sich mit der Zukunft der Weiterbildung beschäftigt. Es wird ein Massive Open Online Course (MOOC) sein, weil er möglichst viele Interessierte rund um die Themen zusammenbringen will, die Bildung und Lernen in Zukunft beschäftigen. Deshalb „Corporate Learning 2.0 MOOC“ oder kurz #CL20. Doch was steckt genau dahinter?

Zunächst ein kurzer Absatz für die Leserinnen und Leser, die hinter das Stichwort „MOOCs“ noch ein großes Fragezeichen setzen:

Massive Open Online Courses sind 2011 populär geworden, als Stanford drei seiner Präsenzveranstaltungen als Online-Kurse anbot und sich weit über 100.000 Teilnehmer anmeldeten. Das löste eine Welle und eine Diskussion aus, die bis heute anhält. Zuerst in den USA, aber dann auch in Europa und im deutschsprachigen Raum haben sich Anbieter und Plattformen gebildet, mit einer stetig wachsenden Zahl von offenen Kursen. Im Kern geht es wieder einmal um die Möglichkeiten der Digitalisierung in der Bildung.

In den letzten Jahren haben sich zwei MOOC-Modelle (und viele kleine Varianten) etabliert: Die meisten MOOCs sind wie Vorlesungen aufgebaut: Inhalte werden vermittelt, meist als Video, dann gibt es Aufgaben und Tests, und ein Diskussionsforum für offene Fragen. Oft erhalten die Lerner am Ende eine Teilnahmebescheinigung, manchmal auch gegen Gebühr ein Zertifikat, das ihre individuelle Leistung ausweist.

Eine kleinere Anzahl von MOOCs, und hier wird es eigentlich erst spannend, setzt nicht auf ein Curriculum, das vermittelt werden soll, oder Zertifikate, die eine Leistung dokumentieren. In diesen MOOCs werden die Teilnehmer eingeladen, gemeinsam die Themen einer Agenda zu diskutieren, selbst aktiv zu werden, neue Themen und Erfahrungen beizusteuern, sich im Verlauf des Kurses zu vernetzen, und so, im Idealfall, vielleicht auch über den Kurs hinaus eine Community oder ein informelles Netzwerk zu bilden. Diese MOOCs, das nur am Rande, werden auch „cMOOCs“ genannt, wobei das „c“ für „connectivism“ steht, die Theorie für das Lernen in der Netzwerkgesellschaft.

Der Corporate Learning 2.0 MOOC wird sicher eine Mischung aus beiden Modellen werden. Ein Plattform, eine Agenda, etwas Struktur. Aber vor allem die Einladung zur Diskussion, wo immer im Netz sie auch stattfindet. Dafür stehen die Unternehmen, die wir für die Idee eines offenen Online-Kurses als Gastgeber begeistern konnten. Denn der #CL20 wird über acht Wochen gehen und jede Woche wird von einem anderen Unternehmen gestaltet.

  • Die Deutsche Bahn Training lädt ein, über ihr Projekt „Next Education“ zu diskutieren.
  • Die Swisscom möchte Erfahrungen sammeln, wie man das digitale Lernen attraktiver machen kann.
  • Der ÖAMTC, der Österreichische Automobil-, Motorrad- und Touringclub, möchte Führungskräfte und selbstgesteuertes Lernen zusammenbringen. Kann das funktionieren?
  • Festo steuert „Virtual Teamwork“ bei, also das gemeinsame Arbeiten und Lernen in verteilten Teams.
  • Miele fragt sich und die Teilnehmer, ob es in Zeiten offener Kurse noch geschlossene Lernplattformen braucht.
  • SICK Safety fragt sich und uns, wie Trainingsabteilungen das informelle Lernen unterstützen können.
  • SAP stellt „Gamification“ auf den Prüfstand: Wann, wie und wo funktioniert es?
  • Und adidas wird an Erfahrungen anknüpfen, die man dort seit der Einführung des Learning Campus im Sommer 2014 sammeln konnte.

Der Corporate Learning 2.0 MOOC will zwei Dinge: Zum einen eine offene Plattform bieten, um sich über Unternehmensgrenzen hinweg über zukünftige Konzepte, Formen und Formate in der Weiterbildung auszutauschen. Und zum anderen aber selbst die Konzepte, Formen und Formate nutzen, die das Lernen 2.0 ausmachen – oder zumindest möglichst viele dieser Möglichkeiten. Denn ohne Personalentwickler und Bildungsexperten, die die neuen Möglichkeiten des Lernens kennen und einschätzen können, wird es keinen Wandel geben. Oder es gibt ihn ohne sie.

Der Corporate Learning 2.0 MOOC findet auf mooin statt, der MOOC-Plattform, die von der FH Lübeck und deren E-Learning-Tochter oncampus entwickelt wurde. Dort gibt es weitere Informationen und man kann sich jederzeit für den #CL20 anmelden. Die Teilnahme am Kurs ist offen für alle Interessierte und kostenlos.

Der Corporate Learning 2.0 MOOC wird von der Corporate Learning Alliance (CLA) veranstaltet, einem nicht-kommerziellen Netzwerk von innovativen Corporate Learning-Experten. Weitere Informationen finden sich auf dem Blog der CLA.

Treffen Sie Jochen Robes in Köln und starten Sie dort schon in die Diskussion zum Thema:
Meet the Blogger in der Blogger Lounge der Messe Zukunft Personal
Dienstag, 15. September, 16 Uhr


Über den Autor

robes_onlineJochen Robes ist Senior Consultant bei HQ Interaktive Mediensysteme GmbH, Wiesbaden (www.hq.de), und unterstützt Unternehmen und Organisationen bei der Modernisierung ihrer Bildungsstrategien, -konzepte und -angebote. Weitere  Themenschwerpunkte bilden Fragen des Einsatzes von Social Media, MOOCs und des Wissensmanagements. Er ist daneben Betreiber des Weiterbildungsblog (www.weiterbildungsblog.de) sowie regelmäßig als Lehrbeauftragter, Referent und Autor tätig.

 

 

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