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Employee Branding statt Employer Branding: „Wir durchlaufen eine echte Revolution“

Michael Rajiv Shah

Foto: © Michael Rajiv Schah

Im Gespräch mit Michael Rajiv Shah, Business-Coach, Berater, Ideengeber, Autor, Blogger, networkfinder.cc

Michael Rajiv Shah hat eine Passion: Seit 2005 arbeitet der Social Business Network Professional daran, Mitarbeiter(ver-)bindungen durch Networking zu verbessern. Der Business-Coach ist davon überzeugt, dass wir die Auswirkungen der sogenannten vierten industriellen Revolution auf unser Leben und Arbeiten noch gar nicht richtig begriffen haben. So erfordere etwa die neue Transparenz im Netz, die erstmals Unterschiede zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberinteressen sichtbar macht, ein Umdenken bei den Personalmanagern. Warum Mitarbeiterprofile sehr viel mehr wert sind als ein teures Unternehmensprofil und worin der Schlüssel zum Arbeiten 4.0 liegt, erklärt Michael Rajiv Shah in folgendem Gespräch.  Am Mittwoch, 4. November, hält er zudem einen Keynote-Vortrag  zu diesem Thema auf der Personal Austria in Wien. 

Herr Shah, vor kurzem sprachen noch alle vom Web 2.0, jetzt sind wir schon beim Arbeiten 4.0. Handelt es sich um einen Quantensprung in der Entwicklung?

Dieses Wort passt wunderbar. Wenn man sich die Herkunft des Buzzwords Arbeiten 4.0 anschaut, ist das Thema ja eigentlich Industrie 4.0. Diesen Begriff hat die deutsche Bundesregierung ursprünglich kreiert. Wir befinden uns in einer industriellen Revolution, fast schon am Ende dieser Revolution, und beginnen jetzt ganz langsam, die eigentlichen Ausmaße davon wahrzunehmen.

Sie sprechen von Quantenphysik, berufen sich auf Einsteins Relativitätstheorie. Was hat die Physik mit Business Networking zu tun?

Das sind nur Bilder, um sich die Ausmaße der Entwicklung besser vorstellen zu können. Wissen Sie, wie ein Atom aufgebaut ist? Jedes Atom hat einen Kern. Um ihn herum schwirren sogenannte Elektronen, aber dazwischen ist nichts, rein gar nichts. Dieses Nichts ist so groß wie ein Fußballplatz, relativ gesehen. Übertragen auf ein Social Network bedeutet das, wenn Sie und ich dort ein Profil haben, können wir diesen leeren Raum zwischen uns mit den neuen Werkzeugen einfach überbrücken. Ich brauche nur Kontakt zu Ihnen aufzunehmen, ein Gespräch mit Ihnen zu beginnen. Dann durchwandere ich einen quantenphysikalischen Raum, der vor zwanzig Jahren noch gar nicht begehbar war. ´

Genau so muss man sich dieses soziale Netzwerken, dieses Business-Netzwerken vorstellen. Dieser eins zu eins Beziehungsraum in den sozialen Netzwerken ist die Quantenebene. Das ist auch der nächste Schritt. New Work oder Arbeiten 4.0 funktioniert nur, wenn wir Menschen anfangen, direkt miteinander zu kommunizieren. Das gelingt nicht durch mehr Werbung –wer will denn schon mit einer Marketing-Abteilung sprechen?

Die Unternehmen geben ja viel Geld für ein Unternehmensprofil bei Xing oder Linkedin aus. Ich nenne das Werbung 1.0, weil das nichts anderes ist als die alte, klassische Anzeigenschaltung. Da gibt es heute weit bessere Möglichkeiten. Ich habe mich ein Jahr lang intensiv mit Zahlen, Daten, Fakten beschäftigt und mir dazu das Siemens-Profil näher angeschaut. Dann habe ich die 500 aktivsten Mitarbeiter der Firma auf Xing identifiziert, abgelesen an den Page-Views ihrer persönlichen Profile. Wenn Sie die aufaddieren und hochrechnen ergibt sich eine bis zu 55-fache Sichtbarkeit der Mitarbeiter gegenüber allen unternehmensbezahlten Aktivitäten.

Dann zählen also die Aktivitäten eines jeden Mitarbeiters?

Genau. Und da fängt letztlich Arbeiten 4.0 an, das ist ja die eigentliche Veränderung: dass der Change von innen kommt. Und dass man zwar mit diesen klassischen Budgets versuchen kann, Dinge abzubilden, aber irgendwann stoßen Sie damit an eine Grenze. Sie kommen damit nicht an die Menschen heran. Auf Xing und LinkedIn wird zudem das erste Mal sichtbar, dass Arbeitnehmer und Arbeitgeber unterschiedliche Interessen haben.

An dieser Stelle wird es schwierig. Ist es die Aufgabe der Personaler, diese unterschiedlichen Interessen zu kitten?

Das können sie ja gar nicht. Also wenn Sie jetzt bei Xing sind, nur einmal angenommen, um Ihre Arbeitskraft auf dem Markt anzubieten und dann ein Recruiter Ihnen ein besseres Angebot macht, gehen Sie halt. Das liegt in Ihrem persönlichen Interesse. Durch ein gutes menschliches Verhältnis kann der Personalentwickler in Ihrer Firma aber früh genug erkennen, dass Sie gehen wollen.

Und dann?

Frühzeitig das Gespräch mit Ihnen suchen. Alles geht für mich in eine menschliche Richtung.

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7 Comments

  1. Edeltrude Grundner

    14. September 2015 at 20:36

    Mir gefällt die Idee der Unterstützung durch den Arbeitgeber für das Anlegen eines Profils in XING oder anderen Social Media Foren. Somit werden gut und professionell gestaltete Mitarbeiterprofile zu Marketingträgern für das Unternehmen aber auch für den/die MitarbeiterIn selbst. Jedes Unternehmen freut sich die besten MitarbeiterInnen bei sich im Unternehmen zu haben……und MitarbeiterInnen die für ihre Tätigkeit „brennen“ identifizieren sich mit dem Unternehmen und finden meist jene Arbeitsbedingungen und Wertschätzung vor, die sie benötigen um ihre Arbeit effektiv und zufriedenstellend auszuführen. Somit werden sie zu Werbeträgern und wer weiß, vielleicht benötigen wir in Zukunft wirklich keine Stellenanzeigen mehr, denn es finden sich die Personen von selbst, die gerne und gut miteinander arbeiten wollen.

    • Liebe Edeltrude, das freut mich!

      Wie gesagt es ist eine leise (r)Evolution in diese Richtung, aber ich denke, dass der Weg Unternehmen aus dem Zentrum heraus zu entfalten unumgänglich ist. Die Zukunft Personal Messe 2015 hat mir auf jeden Fall das Gefühl gegeben, wohin die Zukunftsreise geht.

      Alles Liebe
      Mi(chael) Sha(h)

      • Interessanter Beitrag, Danke.
        Aber warum ist seit Mai 2015 Funkstille auf dem Blog des Herrn Michael Rajiv Shah? Hat er dies aufgegeben oder nutzt er Social Media nicht mehr?
        Freundlichst
        Urs

        • Lieber Herr Prof. Dr. Gattiker,

          herzlichen Dank für Ihr Lob und Recherche. In der Tat habe ich seit Frühjahr diesen Jahres unter der networkfinder.cc Domain recht wenig gebloggt. Das heisst allerdings nicht, dass ich nicht mehr blogge 😉

          networkfinder.cc hat sich extrem auf XING & LinkedIn fokussiert. Wie Sie ggf. auch aus dem Inhalt dieses Beitrags mutmaßen können, langweilen mich die Entwicklungen beider Business Netzwerke.

          Das Blog bzw. die Kernthemen XING Profile, LinkedIn Profile, Unternehmensprofile sowie kununu sind so gut in Suchmaschinen platziert, dass ich dort aktuell keine Beiträge mehr veröffentliche. Traffic & Leads haben sich dadurch nur so unwesentlich verändert, dass ich mich mit neuen Ufern beschäftige.

          Ein neues Blog https://hrfuture.wordpress.com, in dem ich mich persönlich (unbezahlt) engagiere, ist der eines indisch/schweizer StartUps, auf dem ich die mich bewegenden Themen zu Arbeiten 4.0, Corporate Happiness, NewWork etc. veröffentliche.

          Auch Ihre Wahrnehmung bezüglich meiner persönlichen Social Media Aktivitäten sind richtig. Allerdings habe ich mich nach gut 8 Jahren exzessivem persönlichen Engagements wegen zu hoher http://bit.ly/GeschwindigZeit aus dem zurückgezogen, was keinen Umsatz bringt.

          Meine Aktivitäten als Contentproducer sind heute überwiegend in Kundenauftrag (als Ghostwriter) geschriebene SEO optimierte Texte und Corporate Blogposts auch im Rahmen o.g. Themenspektrums.

          Nochmals herzlichen Dank für Ihr aufmerksames Nachhaken :-)

          Ihr
          Michael Rajiv Shah

  2. Lieber Herr Shah

    Vielen Vielen Dank für diese SUPER Antwort… Ich bin froh, dass ich nicht der Einzige bin 😉 der seine Zweifel hat, was der Lärm auf LinkedIn, Xing oder Facebook eigentlich bringt.

    Ich bin halt immer noch der Meinung, dass die Blogs langfristig gesehen das Meiste bringen in Sachen Corporate oder Personal Brand. Die Fachbeiträge auf ihrem Blog kann ich somit auch noch nach Wochen finden dank der Suchmaschinen.

    Auf Xing Diskussions-Gruppen oder aber auch auf LinkedIn ist dies schon nach 2 Tagen für Otto Normalverbraucher fast unmöglich.

    Ich hoffe schwer, dass sie einen neuen Anfang machen auf ihrem persönlichen Blog. Ich würde mich auf den nächsten Eintrag sehr freuen.

    Ich sehe schon wir telefonieren bald :-) Uebrigens, dieser Blog hat ebenfalls gute Daten im Netz (Dialog, usw.) http://drkpi.de/php/ranksite.php?url=blog.zukunft-personal.de/de/

    Schönen Abend wünsche ich
    Freundlichst
    Urs

    • Danke Herr Prof. Dr. KPI 😉

      Lärm auf XINGedIN & Co. ist ein gutes Stichwort. Der Lärm ist „nur“ der Umsatzbringer für die Plattformen selber. Dieser lenkt leider allzu sehr von den eigentlichen USPs ab. Das Netzwerk an sich, das sehr wohl Umsatzbringer sein kann, wenn richtig betrieben.

      Allerdings ist es müssig gegen die Marketingmaschinerie der Plattformen zu schreiben. Selbst dann, wenn man Zahlen, Daten und Fakten hat, die beweisen, dass der wahre Nutzen im stillen Hintergrund liegt.

      Da Sie KPI-Dr sind ein paar KPIs zu XINGedIN, die nirgends zu finden sind, ausser man rechnet selber nach:

      http://bit.ly/FPM-KPI
      http://bit.ly/Xununu14-Reichweite-Mitarbeiterprofile
      http://bit.ly/Xununu14-Jobs-bei-XINGedIN

      Wir haben also etwas Futter zum Telefonieren. Auch wenn ich keine akademischen Titel aufzuweisen habe.

      Bis bald
      Michael Shah

      • Lieber Herr Rajiv

        Danke für diese vielen Infos. Die Daten sind sehr interessant. Natürlich, auch wenn ich einer Firma auf Xing folge (z.B. LinkedIn) heisst dies noch lange nicht, dass ich diese Seite dann auch lese oder die Updates sehe.

        Es gibt z.B. seit 2012 Daten aus den USA die zeigen, 61% der Facebook Nutzer belieben dem Social Network für Wochen fern. Dies bedeutet, dass sie natürlich diese Status Updates gar nicht sehen in den 2 oder 3 Wochen wo sie weg sind.

        https://www.flickr.com/cytrap/8453111346/

        Ich denke da spielen sich ähnliche Dinge auf LinkedIn oder Xing / Kununu ab.
        Ja da haben wir einiges zu besprechen :-)
        Merci
        Urs

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