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Hype oder Boom? 1. HR-Startups Survey 2015

HR-Startups in Deutschland und den USA im Vergleich

Glaubt man den (HR-)Medien, schießen sie aus dem Boden wie Pilze: Startups. Arbeiten 4.0, New Work oder wie auch immer das Phänomen der digitalen Transformation unserer Arbeitswelt heißen mag – Gründer dienen dabei oft als Role Model. Diese Entwicklung kann den Hype jedoch nur zum Teil zu erklären. Tatsache ist, dass sich die Startups-Szene sehr dynamisch entwickelt, auch in puncto HR. Dies konnte die Zukunft Personal mit dem neuen Startup-Village an Ständen von 26 Jungunternehmen (und weiteren Startups in der regulären Ausstellungsfläche) deutlich demonstrieren. Im Vorfeld der Messe haben wir von HRinstruments den Startup-Markt in diesem Segment untersucht und zwar im Vergleich zu den USA. Dabei sind wir auf einige interessante Aspekte gestoßen.

Die Recherche zur Studie gestaltete sich recht kompliziert: Sie erfolgte auf unterschiedlichen Kanälen: Über Branchenportale (z.B. TechCrunch und AngelList) und mithilfe von Experten haben für uns zwei unabhängig geschulte Rater recherchiert und die Startups anhand eines Kategoriensystems beurteilt.

Insgesamt haben wir dabei 68 HR-Startups in Deutschland und 110 Startups in den USA identifiziert und kategorisiert – wobei die Ergebnisse für die USA nicht repräsentativ sind (da gestaltet sich die Recherche noch einmal deutlich schwieriger). Orientiert haben wir uns dabei an der Definition des Bundesbandes Deutsche Startups (BVDS):

  • Startups sind jünger als 10 Jahre
  • Startups sind mit ihrer Technologie und/oder ihrem Geschäftsmodell hoch innovativ
  • Startups haben ein signifikantes Mitarbeiter- oder Umsatzwachstum oder streben es an

HR-Startup-Markt: Kleines Segment mit hoher Dynamik

Bislang existieren keine verlässlichen Zahlen darüber, wie hoch die Anzahl an Startups in Deutschland insgesamt ist. Der BVDS geht davon aus, dass ca. 6000 Startups in Deutschland aktiv sind. Es handelt sich dabei aber um eine Schätzung. Demnach läge der Anteil der HR-Startups bei etwa 1 bis 2 Prozent.

Die Frage, ob die Anzahl der Gründungen von HR-Startups tatsächlich zunimmt, ist mit Vorsicht zu genießen, da wir in unserer Studie nur Startups berücksichtigen haben, die am Markt aktiv sind. Ältere Startups treten häufig nicht mehr als solche auf oder konnten sich nicht am Markt halten. Aber es ist schon auffällig, dass zwischen 2011 und 2015 insgesamt 76 Prozent der in der Studie berücksichtigten Startups gegründet wurden. Der Markt entwickelt sich also schon sehr dynamisch.

Leider konnten in den USA nicht alle HR-Startups identifiziert werden, da die Recherche dort aufgrund veralteter Datenbanken und einiger Unterschiede zum deutschen Markt weitaus komplizierter ist. Dennoch lässt sich ableiten, dass der Schwerpunkt auf Recruiting in Deutschland geringer ausgeprägt ist als in den USA. Dafür werden Personalentwicklung und Weiterbildung in Deutschland öfter als Themenschwerpunkt gewählt.

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Quelle: HRinstruments

Trendthemen: Matching hui, Big Data pfui

In Deutschland konzentrieren sich aktuell viele HR-Startups auf das Thema Matching – der Bedarf Arbeitgeber mit passenden Arbeitnehmern zusammen zu bringen ist aktuell groß. Das ist wenig überraschend. Erstaunt hat uns allerdings, dass Big Data in Deutschland noch eine sehr geringe Rolle spielt, obwohl diese Thematik aktuell häufig diskutiert wird. Dieses Ergebnis liegt wohl an einer zurückhaltenden Haltung der Unternehmensleitungen und der starken Stellung von Betriebsrat und Datenschutzbeauftragten in Deutschland.

In den USA sind transparente Vergleiche und Ranking Mechanismen für Personalentwicklung und Change Management weiter verbreitet. In Deutschland werden diese, wenn überhaupt, nur optional angeboten und stehen selten im Mittelpunkt des Geschäftsmodells. Auch hier werden also eine konservativere Haltung der Personalverantwortlichen und ein strengerer rechtlicher Rahmen deutlich.

In Deutschland finden sich darüber hinaus selten kreative Geschäftsmodelle. Ein Beispiel aus den USA ist Zenefits: Das Startup bietet seine Software kostenlos an, da es sich über Kooperationen finanziert, die in die Software integriert sind. Auch hierbei stehen offensichtlich in Deutschland Sicherheitsbedenken und Datenschutzregelungen im Weg, so dass nur wenige Startups in diese Richtung arbeiten.

Image von HR-Startups: Wie professionell ist die Branche?

Auch viele HR Startups konzentrieren sich wie die gesamte Startup-Szene auf Berlin, aus verschiedenen Gründen: Hier bestehen viele Möglichkeiten zum Austausch und Networking unter Gründern. Aus eigener Erfahrung kann ich die Münchner Perspektive einbringen: Es ist hier schwierig, erschwingliche Büros zu bekommen – und das spielt natürlich eine große Rolle für Startups. Auch die Nähe zu Business Angels und Investoren ist in Berlin entsprechend gegeben. Allerdings gibt es auch in München und in anderen Städten immer mehr HR Startups, so dass der Berliner Vorsprung zumindest abnimmt.

Startups gelten allgemein als sehr innovative Arbeitgeber, die sich sehr stark um die Wünsche der Mitarbeiter bemühen (Stichwort New Work). Das müssen sie auch, um angesichts eines starken Wachstums passende Mitarbeiter zu finden. Gerade in wirtschaftlich erfolgreichen Ballungsgebieten wie München konkurrieren Startups dabei mit etablierten Großkonzernen um die besten Talente, so dass New Work hier tatsächlich gelebt werden muss und nicht nur in der Stellenausschreibung auftauchen darf.

Das Image vom chaotischen Startup, das nicht wirklich verlässlich ist und vieles nicht auf die Reihe bekommt, ist hingegen nicht richtig. Gerade im HR-Bereich sind die Jungunternehmen sehr professionell – und sie werden immer noch professioneller. Diese Entwicklung gilt es noch viel stärker nach außen zu kommunizieren – eine Aufgabe, die wir uns in der HR-Fachgruppe HR-Startups im Bundesband Deutsche Startups vorgenommen haben.

Über den Autor

Werther-Simon-onlineDr. Simon Werther ist Vorsitzender der Fachgruppe HR-Startups im Bundesband Deutsche Startups, die im Juni 2015 gegründet wurde und sich das Ziel gesetzt hat, die Zusammenarbeit von HR-Startups mit etablierten Unternehmen zu fördern und HR-Startups mehr Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit zu verleihen. Als Geschäftsführer des Startups HRinstruments gehört er selbst zu den HR-Gründern. Sein Unternehmen bietet innovative cloud-basierte Feedback-Tools für Personal-, Team- und Organisationsentwicklung. 360-Grad-Feedback, Teamfeedback, Mitarbeiterbefragungen und Performance Management – all diese Ansätze integriert HRinstruments in eine einheitliche Feedback-Lösung für Unternehmen aller Größen. Darüber hinaus entwickelt sein Team innovative Feedbackformen wie Instant Feedback, das Feedback in den alltäglichen Unternehmensalltag integrieren soll. Außerdem berät Simon Werther Unternehmen und hält regelmäßig Vorträge. Seit 2010 übt er verschiedene Lehrtätigkeiten aus, beispielsweise an der LMU München oder der Hochschule Augsburg.

Kontakt: werther@hr-instruments.com

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2 Comments

  1. Sehr spannender Artikel. Ich biete für KMU externes Ausbildungsmanagement und Personalentwicklung an. Allerdings mache ich in Bayern gerade die Erfahrung, dass man sich nur ungern in die Karten schauen lässt. Zudem entsprechen die Stundensätze nicht dem, was man aufgrund der Büromieten, verlangen müsste.
    Wie wurde das Thema Professionalität in der Studie untersucht? Was waren die Kriterien? Ich habe da eine andere Wahrnehmung / Erfahrung.

    • Hallo Frau Caspari,

      vielen Dank für Ihren Kommentar und für Ihre Rückmeldung.

      In der Studie haben wir Professionalität nicht operationalisiert. Allerdings haben wir aufgrund zahlreicher Kooperationen mit anderen jungen Unternehmen diesbezüglich sehr positive Erfahrungen gemacht.

      Heutzutage kann sich unserer Erfahrung nach keine junge Firma langfristig am B2B Markt etablieren, wenn sie nicht professionell agiert. Sicherlich kann man aber natürlich über Professionalität an sich diskutieren, möglicherweise verstehen wir darunter unterschiedliche Themengebiete und Facetten.

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