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Der CL20 MOOC: Learnings eines Lernexperiments

CL20_logoAm Ende waren es über 1.650 Teilnehmer, die sich für den Corporate Learning 2.0 MOOC angemeldet hatten! Für viele war es die erste Erfahrung mit einem offenen Online-Kurs. Das gilt natürlich auch für die Unternehmen und ihre Projektteams, die sich bereit erklärt hatten, für jeweils eine Woche die Rolle des Gastgebers zu übernehmen und ein Thema ihrer internen Bildungsagenda mit der Community zu diskutieren.

An dieser Stelle sei noch einmal kurz an den Rahmen und die Ziele des CL20 MOOC erinnert: Er begann am 21. September (siehe die Ankündigung auf diesem Blog), und er endete nach acht Wochen am 13. November 2015. Die Leitfrage des Kurses lautete: „Wie gestalten wir künftig Lernen in Organisationen?“ Sie bildete Klammer und roten Faden für die Themen und Diskussionen.

Den Kurs hat die Corporate Learning Alliance (CLA) veranstaltet, ein Netzwerk von Bildungsexperten. Partner war die FH Lübeck, auf deren MOOC-Plattform, „mooin“, der Kurs stattfand. Weitere Förderer waren der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände. Interessierte Teilnehmer konnten sich jederzeit kostenfrei in den Kurs einloggen, an verschiedenen Aktivitäten teilnehmen oder auf Materialien zugreifen. Was natürlich dazu führte, dass die meisten sich „ihre“ Themen und „ihre“ Wochen heraussuchten, in denen sie aktiv werden wollten. Denn nicht jeder hat Zeit und Gelegenheit, einen achtwöchigen Kurs neben dem Tagesgeschäft zu bearbeiten.

Die Unternehmen und ihre Projektteams waren unglaublich aktiv, engagiert und interessiert, mit den Teilnehmern in einen Dialog zu treten! Schon im Vorfeld produzierten sie  kurze Videos oder Whitepaper und stimmten Aktivitäten für die jeweiligen Wochen ab. In den Wochen selbst gab es regelmäßig Live-Online-Sessions, Podiumsdiskussionen, Video-Chats, Podcasts, Blogbeiträge und Tweets – und es wurde in den Foren diskutiert. Es fanden regelmäßig Ideenwettbewerbe und Abstimmungen statt, oft kombiniert mit der Möglichkeit, den Wochen-Badge zu erlangen. Badges sind jene kleinen virtuellen Abzeichen, die auf vielen Plattformen für bestimmte Aktivitäten vergeben werden.

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Screenshot: Übersicht Corporate Learning 2.0 MOOC

Auch wenn sich der CL20 natürlich vor allem auf der Kursplattform, in den Lektionen und Foren abgespielt hat, waren alle Teilnehmer eingeladen, die Diskussion weiterzutragen und „nach außen“ zu öffnen. So hat sich z.B. auf Facebook eine Lerncommunity zusammen gefunden, die heute 360 Mitglieder zählt. Einzelne Teilnehmer haben ihre Blogs genutzt, um ihre Eindrücke und Erfahrungen zu reflektieren. Harald Schirmer von der Continental AG berichtete wenige Tage nach dem Start des MOOCs auf seinem Blog unter der Überschrift „CL20 Überblick behalten“:

„Es geht mit viel Geschwindigkeit weiter im Corporate Learning 2.0 MOOC. Da fällt es immer mehr Beteiligen (1253) schwer, Schritt zu halten, die vielen Beiträge zu lesen und auf Stand zu bleiben. Es ist zum einen die Vielzahl an Beiträgen, aber auch Anzahl von beteiligten Plattformen und eben die gewünschte Freiheit, dass jeder lernen kann, wie er/sie möchte. Das führt zu einer großen Diversität, in der Chancen aber auch Risiken liegen, und damit genau die Herausforderung beschreibt, die wir im „Social Learning“ haben …“ (Weblog Harald-Schirmer.de)

Daneben sind Mind Maps, Sketchnotes und Infografiken entstanden. Die Teilnehmer haben kollaborativ geschrieben (TitanPads), Listen in Wikis gepflegt, Video-Chats organisiert (Blab). Begleitend zu den Aktivitäten im Netz haben sich auch mehrere Lerngruppen „vor Ort“ gebildet und zu regelmäßigen Treffen verabredet, wie z.B. in Stuttgart und Nürnberg. Aber auch die MOOC-Veranstalter waren natürlich bemüht, Brücken zwischen der Lerncommunity im Netz und den vielen Bildungs-Konferenzen, Messen und Veranstaltungen in diesem Herbst zu schlagen: Die „Wochenpaten“ der CLA und einzelne Unternehmensvertreter waren unter anderem auf dem CorporateLearningCamp in Frankfurt und spielten ihre Live-Session von dort ins Netz. Auf der KnowTech in Hanau war ein Zeitfenster dem CL20 MOOC gewidmet. Der Rückblick der fünften Woche mit Miele kam live vom HRM Forum Corporate Learning aus Berlin. Und auch der Abschluss des MOOCs am 13. November wurde direkt vom Learning Campus der adidas Group aus Herzogenaurach übertragen.

Was passierte nun in den einzelnen Wochen, die Unternehmen wie DB Training, Swisscom, der Österreichische Automobil-, Motorrad- und Touring-Club ÖAMTC, Festo, Miele, SICK Safety, SAP und adidas gestalteten? Beispielhaft stelle ich hier kurz den Ablauf der zweiten Woche vor, die Martin Geisenhainer und sein Team von der Swisscom betreute:

Swisscom-Themenstellung: „Mitarbeiter zum digitalen Lernen verführen“

  • Montag: Vorstellung des Swisscom-Fallbeispiels
    Live-Session mit Martin Geisenhainer und Joachim Niemeier
  • Dienstag: Feedback zu den aktuellen Ansätzen bei der Swisscom
    Diskussion im Forum
  • Mittwoch: Good Practice Beispiele für die Swisscom (und uns alle)
    Diskussion im Forum
  • Donnerstag: Vorgehensweisen und Werkzeuge zur Weiterentwicklung und Optimierung von digitalem Lernen
    Ein Experiment: Gemeinsames Online-Brainstorming
  • Freitag: Zusammenfassung der Diskussions- und Arbeitsergebnisse der zweiten Woche
    Live-Session mit Martin Geisenhainer und Joachim Niemeier

In seinem Fazit konnte CLA-Wochenpate Joachim Niemeier schließlich von 30 Good-Practice-Beispielen berichten, die von den Teilnehmern des MOOCs beigesteuert wurden:

Nicht nur die Swisscom, alle Unternehmen haben bestätigt, dass sie von ihrer Teilnahme an diesem offenen Kurs profitiert haben! Natürlich ist es manchmal eine große Hürde, die eigenen Projekte und Fragestellungen zur Diskussion zu stellen. Dabei ist oft gar nicht die Sorge, wichtiges internes Know-how nach draußen zu tragen, das größte Problem. Oft bewegte die Teilnehmer vielmehr die Frage, was denn eine große, unbekannte Community aus Experten und Interessierten zu den eigenen Projekten rückmeldet, ob sie den eigenen Kontext versteht bzw. bereit ist, zu verstehen. Aber diese Bedenken sind spätestens dann verschwunden, wenn man die Ideen und Anregungen liest, die von den anderen Teilnehmern zurückkommen. Sie honorierten die Offenheit und Bereitschaft der Unternehmen, sich zur Diskussion zu stellen und Einblicke in die eigene Arbeitspraxis zu gewähren (oftmals mit dem anerkennenden Seufzer, dass man selbst noch nicht so weit ist …).

Wie schreibt Herwig Kummer, ÖAMTC, so treffend: „MOOC ist spannend, MOOC ist anstrengend. Und MOOC kann auch ergiebig sein, wenn es um neue Erkenntnisse oder Sichtweisen geht.“ (Personaleum, 7. Oktober 2015) Und Werner Sauter, ein CLA-Wochenpate: „Ich habe diese erste Woche im Corporate Learning 2.0 MOOC als eine große Bereicherung empfunden. Es gibt wohl kaum ein anderes Format, das es ermöglicht, über viele Organisationen hinweg einen Meinungs-und Erfahrungsaustausch in dieser Intensität zu initiieren.“ (CLA Blog, 27. September 2015)

Das ist natürlich nur ein kurzer Rückblick auf diesen ersten Corporate Learning MOOC. Eine ausführliche Evaluation, in die auch die Rückmeldungen der Teilnehmer einfließen, wird folgen. Aber bis dahin sind Interessierte herzlich eingeladen, sich einfach auf der Kursplattform „mooin“ anzumelden und selbst einen Blick auf die Materialien und Aktivitäten zu werfen.


Über den Autor

robes_onlineJochen Robes ist Senior Consultant bei HQ Interaktive Mediensysteme GmbH, Wiesbaden (www.hq.de), und unterstützt Unternehmen und Organisationen bei der Modernisierung ihrer Bildungsstrategien, -konzepte und -angebote. Weitere  Themenschwerpunkte bilden Fragen des Einsatzes von Social Media, MOOCs und des Wissensmanagements. Er ist daneben Betreiber des Weiterbildungsblog (www.weiterbildungsblog.de) sowie regelmäßig als Lehrbeauftragter, Referent und Autor tätig.

 

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1 Comment

  1. Vielen Dank Jochen Robes für die Zusammenfassung und die Begleitung durch diesen hervorragenden MOOC. Auch wenn ich selbst meine Ziele nicht in „Echt-Zeit“ erreichen konnte (es laufen derzeit einfach zu viele spannende Dinge parallel) – hat sich die Teilnahme mehr als gelohnt.
    Viele spannende neue Kontakte, wertvolle Einblicke in verschiedenste Firmen und deren Konzepte, eine breite Diskussion zu den aktuellen und akuten Themen rund um Lernen.
    Das Besondere an MOOCs ist aber auch – und hier kommt uns die „Nachhaltigkeit in der virtuellen Welt“ (Zeit- und Ortsunabhängigkeit) zu Gute – ich kann – zu jeder Gelegenheit die mir noch fehlenden Beiträge nachlesen, die vielen guten Summaries genießen und auch im Nachhinein sicher den/die eine oder andere kontaktieren. Vielen Dank dem gesamten CL20 Team und allen Teilgebern!!

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