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Innovation am Arbeitsplatz: Wer ist „NOX the Robot“?

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Foto: Tobias Danzer

Auf der diesjährigen Zukunft Personal veranschaulichte „NOX the Robot“ einen Trend in der Arbeitswelt: Vor allem in der Produktion kommen immer häufiger Roboter zum Einsatz. Der überlebensgroße NOX war am 16. September im Auftrag von perbit Software im sogenannten „FutureLAB HR“ der Zukunft Personal in Halle 3.2 unterwegs. Dort trat er mit den Besuchern in Interaktion – unterhielt sich, sang, tanzte, flirtete, spritzte die Besucher nass – und verdeutlichte damit, dass Kollaboration mit Robotern nicht angstbesetzt sein muss, sondern auch Spaß machen kann. Hinter dem Eventroboter steckt ein Start-up aus Pforzheim, gegründet von Tobias Danzer. Wir haben uns mit ihm über „seine Kreatur NOX“ unterhalten.

Herr Danzer, stellen Sie „NOX the Robot“ doch einmal kurz vor!

NOX ist ein 2,40 Meter großer und 160 Kilo schwerer humanoider Roboter. Er sieht aus, als wäre er aus einem futuristischen Film. Oft fragen ihn die Zuschauer auf Veranstaltungen, ob er aus Hollywood oder New York kommt. Aber er kommt aus Süddeutschland. Er ist ein Spin-Off der Hochschule Pforzheim und wurde mit dem Mechatronik-Bereich entwickelt.

Die Optik ist ein wichtiger Faktor, weil Menschen oft die Erwartung haben, dass ein Roboter groß ist und schnell agieren soll. Bei unseren Demonstrationen wird diese Erwartungshaltung nicht nur erfüllt, wir können sie sogar noch übertreffen. Man sieht NOX sehr stark leuchten, man kann schon sagen pulsieren – fast so, wie beim Menschen das Blut pulsiert, ist es bei NOX die Technik. Wir haben Lithium-Akkus eingebaut, wie sie auch in Elektroautos verwendet werden. Die „Haut“ bzw. das Gehäuse ist aus Glas- und Carbon-Faser, vergleichbar mit einem Formel-1-Wagen. Hinzu kommen die passenden Geräusche und verschiedene Effekte. Alles was NOX sagt, hat vorher ein Synchron-Sprecher, der international fürs Fernsehen arbeitet, im Tonstudio aufgenommen. Das wird dann noch gepatcht, damit es sich so voluminös anhört, dass es zur Größe von NOX passt.

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Foto: Zukunft Personal 2015 – Franz Pfluegl

Wie interagiert er denn mit Menschen?

Dramaturgisch ist das so gemacht, dass man zwar am Anfang Respekt vor ihm hat. NOX zeigt sich dann aber ganz als Entertainer, zum Beispiel flirtet er und singt Lieder von Stevie Wonder. Damit möchten wir erreichen, dass Respekt oder eine gewisse Angst in Faszination und Begeisterung umschlagen.

Sie haben 2009 ein Start-up gegründet, das NOX the Robot auf Events präsentiert. Wie kam es dazu?

NOX soll ein „Innovationbotschafter“ sein: Das Wort „Innovation“ nehmen wir häufig in den Mund, aber die Bedeutung ist so schwer erlebbar zu machen. Genau um diese Aufgabe ging es. An der Entwicklung waren Studenten aus drei Fakultäten beteiligt – Design, Wirtschaft und Technik. Denn wie beschrieben, brauchte es diese Bereiche der technischen Entwicklung: die Elektronik und Mechanik, Gehäuse und Akustik und die Dramaturgie für die emotionale Wirkung auf die Zuschauer. Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie ausgezeichnet und erhielt das EXIST Gründerstipendium, um die Entwicklungszeit zu finanzieren.

Wir haben einen Prototypen entwickelt, mit dem wir inzwischen auf vielen Veranstaltungen in Deutschland und Europa gebucht werden – bei Firmenevents, Messen und Kongressen. Die Spannweite der Events reicht von Konsumgütermessen über Sommerfeste und Kongresse bis zu Kinderveranstaltungen.

Welche Fähigkeiten hat NOX mit Robotern gemeinsam, die heute bereits in der Arbeitswelt zum Einsatz kommen?

Wir haben NOX speziell für den Eventbereich entwickelt und dementsprechend groß dimensioniert. In den Produktionsbereichen gibt es zwar schon viele Roboter. Diese sehen aber natürlich ganz anders aus. Doch es gibt auch Gemeinsamkeiten: Wie NOX können sie in gewisser Weise vernetzt arbeiten. NOX gehört so gesehen zu den kollaborativen Robotern, die mit Menschen zusammenarbeiten. Früher steckte man Roboter in abgeschlossene Bereiche, wo sie bloß nicht mit Menschen in Kontakt kommen sollten. Die Zukunft der Robotik geht aber viel mehr in Richtung Zusammenarbeit. NOX visualisiert das; er bringt dem Menschen dieses Bild näher. Oft heißt es, Roboter nehmen uns die Arbeitsplätze weg, aber es gibt eben auch eine andere Seite. Sie können Arbeit für uns deutlich erleichtern. Roboter werden den Menschen nicht ersetzen, sie sind und bleiben unsere Werkzeuge. Der Mensch ist immer noch die letzte Instanz, die den Roboter konzipiert.

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Foto: Zukunft Personal 2015 – Franz Pfluegl

Inwiefern können Sie NOX gemäß Kundenwunsch programmieren?

Wir sind viel im deutschsprachigen Raum unterwegs, aber auch international. Zum Beispiel waren wir dieses Jahr in Italien auf der Messe in Mailand. Da spricht er auch italienisch. Unabhängig von der Sprache kann man ihn auch an Events anpassen. Zum Beispiel kann er für eine Gebäudeeröffnung eine Rede halten. Bei Kongressen ist oft gewünscht, dass er gerade bei Themen rund um Industrie 4.0 und Zukunft der Wirtschaft mitwirkt.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Inzwischen ist die Nachfrage so groß, dass wir über eine Finanzierungsrunde für ein zweites Modell nachdenken. Für die Weiterentwicklung ist uns wichtig, dass wir von dem allerersten Prototypenstatus, den wir an der Hochschule gebaut haben, zu einem Kleinserienmodell kommen, so dass wir zwei, drei oder vier NOX bauen können.

Wir sind inzwischen jede Woche unterwegs. 2016 fliegen wir mit NOX das erste Mal in die USA. Dort tritt er in San Francisco für einen Kunden auf, für den er schon letztes Jahr den Messe-Erfolg enorm verstärkt hat. Das geht natürlich auch nur mit einem eingespielten Team, das bei den Events immer mit vor Ort ist. Trotzdem ist uns die weitere Kooperation mit der Hochschule wichtig, so vergeben wir nicht nur Praktika im technischen und betriebswirtschaftlichen Bereich, sondern entwickeln NOX stetig weiter. Gerade erarbeiten wir eine technische Lösung, mit der man das Bild der internen Kamera von NOX auf einem Bildschirm betrachten kann und das Sichtfeld von NOX sieht. So kann man sich in ihn hineinversetzen und sehen, welche Menschen er gerade erfasst. Das ist wirklich spannend, besonders wenn die Reaktionen vom Publikum darauf zu sehen sind, wie etwa eine Frau mit ihm zu tanzen beginnt…

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1 Comment

  1. Gunnar Schurich

    24. November 2015 at 14:55

    NOX ist als Event-Highlight oder als Fascinationspoint im Publikumsverkehr sicherlich eine interessante Sache. Leider konnte ich mich davon nicht vor Ort, auf der Messe, überzeugen. Eine akut auftretende Infektion verhinderte meine Reise nach Köln und somit den Besuch der Zukunft Personal. Dies lässt mich aber auch darüber nachdenken, wie mir NOX nun den Vorteil des Einsatzes moderner IKT in den Arbeitswelten 4.0 hätte ermöglichen können, einen Messe-Besuch auch vom Krankenbett aus machen zu können.

    Ich bin schon als Kind von der Robotik in den Bann gezogen worden. Letztlich geht es dabei aber immer um enge, hauptsächlich im Bereich der Mechanik ablaufende Prozesse, deterministische, reale Prozesse. Sobald diese Prozesse in den stochastischen Bereich kommen, also dorthin, wo das „vielleicht“ wesentlich ist, verschwinden die Roboter und werden durch elektronische Routinen ersetzt, an deren Ende der Reiz als Begriff aus der Kommunikationswissenschaft steht. Oder die Routinen enden in Eingriffen in Systemabläufe an den Stellen, wo der Mensch an der Schnittstelle zur Maschine wirkt.

    Ich hätte Spass daran, noch in meinem Leben zu erleben, wie ein Androide vielleicht einmal meine Avatare ersetzen könnte – und ich nicht mehr zeitaufwändig einen Post in einem Blog setzen muss. Stellen Sie sich mal vor, es klingelte gleich bei Ihnen und ein Androide stünde da und führte mit Ihnen ein Gespräch in meinem Namen oder überbrächte nur diesen Kommentar, wobei er meine nonverbale Kommunikation als wesentliches Merkmal für Interpretationen gleich mit lieferte.

    Es freut sich auf eine in diese Vision mündende Zukunft
    Gunnar Schurich

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