Beim Thema Diversity besteht Nachholbedarf: Frauen sind in Unternehmen weltweit unterrepräsentiert

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Jüngst fasste Kabarettist Florian Schroeder während der NDR-Talkshow die Erwartungen der Gesellschaft an Frauen folgendermaßen zusammen: Sie sollen Kinder bekommen, aber auch Karriere machen und selbstbewusst auftreten, nur nicht als Emanze. Und während sie Karriere machen, müssen sie zu Hause bleiben, dürfen keine Rabenmütter sein und nebenbei sollten sie auch noch topmodelmagerschlank sein.

Der Spagat zwischen Familie und Karriere ist nicht leicht. Viele trauen dem angeblich schwachen Geschlecht eine Doppelbelastung nicht zu. Vielleicht ist das auch ein Grund, wieso Frauen in Unternehmen weltweit unterrepräsentiert sind. Die neueste Mercer-Studie „When Women Thrive“, für die fast 600 Unternehmen und Organisationen befragt wurden, ist diesem Phänomen auf den Grund gegangen.

Nur etwa ein Drittel der Fachkräfte und Manager in Europa sind weiblich

In Europa werden bis 2025 voraussichtlich nur 37 Prozent der Fach- und Managementpositionen von Frauen besetzt sein. Im selben Zeitraum steigt der Anteil weltweit um nur 5 Prozent auf 40 Prozent. „Bei diesen Zuwachsraten sind wir in zehn Jahren in den meisten Regionen der Welt noch weit entfernt von echter Gleichberechtigung“, sagt Achim Lüder, Geschäftsführer von Mercer in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Die größten Fortschritte sind bis dato in den oberen Führungsetagen erzielt worden, vor allem dank verschiedener politischer Initiativen und Diskussionen in den Medien, führt Lüder weiter aus. Doch auf Ebene der Fachkräfte und Spezialisten passiere in den Unternehmen kaum etwas.

Frauenanteil im Unternehmen nimmt in höheren Positionen ab

Laut Studie sind durchschnittlich 40 Prozent der Gesamtbelegschaft eines Unternehmens weiblich. Der Frauenanteil nehme aber auf dem Weg nach oben mit jeder Stufe ab. Im Management liege er bei 33 Prozent, im Senior Management bei 26 Prozent und auf Ebene der Exekutiven bei 20 Prozent (s. Grafik 1).

Diversity im Unternehmen offener kommunizieren

Männliche Mitarbeiter sollten nach Einschätzung der Studienautoren zum Beispiel verstärkt in Diversity-Initiativen mit einbezogen werden, um ein stärkeres Bewusstsein für die Vorteile solcher Maßnahmen zu schaffen. So könnten beispielsweise flexiblere Arbeitsmodelle für männliche und weibliche Mitarbeiter oder finanzielle Verbesserungen für Familien geschaffen werden.

„Wir müssen in Unternehmen und Gesellschaft endlich aus den traditionellen, starren Vorstellungen von Arbeit, Karriere und Familie ausbrechen und alternative Modelle, wie beispielsweise Führung in Teilzeit, diskutieren und zulassen“, fordert Achim Lüder.

Beim Thema Diversity besteht Nachholbedarf

An der Umsetzung von Diversity-Maßnahmen hapert es allerdings noch in fast der Hälfte der beteiligten Unternehmen, wie die Ergebnisse der Studie zeigen. Nur 57 Prozent geben an, dass ihr Top-Management sich in Diversity- und Inklusionsmaßnahmen engagiert. Die oben geforderte Beteiligung von Männern an solchen Initiativen sei seit der ersten Studie 2014 sogar von 49 auf 38 Prozent gesunken. Es scheint also, als hätte sich die Genderpolitik der Unternehmen sogar wieder zurückentwickelt.

Dabei könnten Arbeitgeber die spezifischen Stärken von Frauen und Männern gezielt zur Verbesserung ihres Unternehmens nutzen. Kreativität, Problemlösungskompetenz und Networking werden beispielsweise zu den besonderen Stärken von Frauen gezählt, wohin Männern eher Stärken im Verhandlungsgeschick, technischer Expertise und Projektmanagement zugerechnet werden (s. Grafik 2).

Deutlich wird aus dieser Studie vor allem eins: Um die eingangs erläuterten Anforderungen der Gesellschaft an die Frau auch nur ansatzweise erfüllen zu können, müssen sich Unternehmen neu strukturieren und neue Arbeitsmodelle schaffen. Arbeitgeber sollten sich bewusst sein, dass sie schlicht und ergreifend auf die Arbeitskraft der Frauen angewiesen sind. Sonst wird es wohl nichts mit der topmodelmagerschlanken, erfolgreichen Geschäftsfrau und Mutter…

 

Beim Thema Diversity besteht Nachholbedarf: Anteil an Frauen auf verschiedenen Hierarchiestufen

Grafik 1: Mercer, When Women Thrive

 

Beim Thema Diversity besteht in vielen Unternehmen noch Nachholbedarf

Grafik 2: Mercer, When Women Thrive

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