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Foto: PERSONAL Süd – Franz Pfluegl

„Deutschland ist auf dem Weg in die Bildungskatastrophe. Es vertrödelt seine Zukunft, weil es die Entwicklung zur Kompetenzgesellschaft verschläft“, behaupteten die Professoren John Erpenbeck von der Steinbeis-Hochschule Berlin und Werner Sauter, Geschäftsführer des Weiterbildungsanbieters Blended Solutions, kürzlich in der Zeitschrift wirtschaft + weiterbildung. Mit dieser Diagnose stehen sie nicht allein da. Die Stimmen werden lauter, dass Personalentwickler die Zeichen der Zeit, sprich der Digitalisierung, noch nicht erkannt haben. „HR go digital or die?“ – diese Frage ist auch oder insbesondere beim Thema Weiterbildung relevant. Doch wie könnte eine adäquate Veränderung in der Aus- und Weiterbildungslandschaft aussehen? Die PERSONAL2016 Süd versammelt nächste Woche im Forum Corporate Learning & Working zahlreiche Experten, die sich dazu äußern.

„Für ein Gelingen einer konstruktiven Technikgestaltung ist letztlich die Bereitschaft der Arbeitgeber erforderlich, sich noch mehr einem dialogorientierten Ansatz zuzuwenden“, meint Welf Schröter, Moderator des Blogs „Zukunft der Arbeit“. Eine Veränderung in den Qualifikations- und Bildungsstrategien sei unabdingbar. „Reine Anpassungsqualifikationen oder lediglich Angebote für bereits qualifizierte Mitarbeitende reichen nicht aus. Notwendig sind Bildungschancen für alle Beschäftigten“, so Schröter. Die Erfahrungen des „Forum Soziale Technikgestaltung“ in Baden-Württemberg zeigten, dass Arbeitgeber die Mitarbeiter vor allem zum Umgang mit Abstraktion und Komplexität sowie zum Erwerb von „Komplexitätskompetenz“ befähigen müssten. Aktuelle betriebliche Technik-Pilotierungen belegten die Erkenntnis der letzten dreißig Jahre Technikgestaltung: Intuitives Erfahrungswissen sei ebenso wichtig wie Sach- und Fachwissen.

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Header des Blogs Zukunft der Arbeit

Der Autor des Blogs „Zukunft der Arbeit“, der Betriebsräte, Vertrauensleute und Beschäftigte aus Unternehmen und Betrieben sowie die IG Metall bei der Diskussion über die soziale Gestaltung von „Industrie 4.0″ und „Arbeit 4.0″ begleitet, betont die aufgeschlossene Haltung der gewerkschaftlichen Seite bei dem Thema: „Viele Betriebsräte sehen im Umbau zu Arbeit 4.0 die Chance für eine neue Kultur der Arbeitsbeziehungen und für eine Humanisierung der Arbeitswelt.“ Erkennbaren Risiken würden keineswegs ausgeblendet. Derzeit dominiere aber die Ansicht, dass der Wandel mehr Möglichkeiten eröffne als seine Vermeidung. Mit dem Blog möchte Schröter diesbezüglich Transparenz schaffen. Außerdem gehe es darum, zur Gestaltungskompetenz auf Seiten der Beschäftigten und Freien, der Angestellten und Crowdworker beizutragen.

Learning Communities: Mitarbeitern etwas zutrauen und loslassen

Neben neuen Kompetenzen und Fachinhalten für den Betrieb 4.0 erlebt auch die Methodik der Weiterbildung einen Quantensprung. „Wissensweitergabe funktioniert im Netz vorzüglich. Kompetenzentwicklung ist hingegen für viele, die sich mit Blended Learning, digitalen Fernlernkursen oder sogenannten MOOCs beschäftigen, immer noch eine Terra incognita“, meint Prof. Dr. John Erpenbeck. Doch können Kompetenzen digital vermittelt werden und wenn ja, wie? Ein Ansatz ist selbstgesteuertes Lernen in „Learning Communties“.

Karlheinz Pape hat dazu kürzlich auf seinem Blog einen guten Überblick geliefert. „Das Wissen liegt im Netzwerk. Und Lernen ist die Fähigkeit, Verbindungen in diesem Netzwerk zu knüpfen“, fasst er zusammen, wie Lernen in Learning Communities funktioniert. Doch wie können Unternehmen dies fördern? Das Wichtigste: „Wer Lernen in Netzwerken ermöglichen will, muss loslassen können. Das Zulassen von Netzwerk-Lernen erfordert eine Grundhaltung des ‚Zutrauens‘, und des Vertrauens in die Selbststeuerungsfähigkeit der Mitarbeiter“, erklärt Pape. Als ein Beispiel für Online-Kurse, die Lernen in Netzwerken unterstützen, nennt Pape den „Corporate Learning 2.0 MOOC“, in dem Projekte wie das Programm Next Education der Deutschen Bahn diskutiert wurden (das Andreas Eckelt auf der PERSONAL Süd vorstellt).

Handlungsbedarf für Personaler

Spezialanbieter, die die Zeichen der Zeit erkannt haben, gibt es schon reichlich, wie die Aussteller in Stuttgart zeigen – darunter die Know How! AG, e-doceo, AMN-Systems, osc – open source company, DR-B learning solutions, die Haufe Akademie, Infoniqa und perview. Auch jüngst gegründete Unternehmen wie qLearning Applications mit der Lernplattform Skive und Think Simple sind auf der neu geschaffenen Start-up-Area der Messe vertreten. Doch können sich die Anbieter mit ihren innovativen Produkten nur am Markt halten, wenn diese Angebote auch von Unternehmen angenommen werden.

„Viele Personalentwickler haben leider noch nicht erkannt, dass akuter Handlungsbedarf in der betrieblichen Weiterbildung besteht und sie sich mit digitalen Lernformen stärker auseinandersetzen müssen“, erklärt Ralf Hocke, Geschäftsführer von spring Messe Management, dem Veranstalter der PERSONAL Süd. „Wir möchten die digitale Lernexpertise in Betrieben fördern. Deshalb sind wir begeistert, dass unsere E-Learning-Beiräte Prof. Dr. Winfried Sommer, Prof. Dr. Uwe Beck und Dr. Hartmut Barthelmeß ein so wegweisendes Programm konzipiert haben.“

Das komplette Programm des Forums „Corporate Learning & Working“ finden Interessierte unter www.personal-sued.de.

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