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Was der Brexit mit HR zu tun hat: 600.000 Fachkräfte auf dem Sprung

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Foto: www.pexels.com

Nach dem Schock folgen nun strategische Überlegungen: Welche Auswirkungen könnte der Brexit für uns in Deutschland haben? Inwiefern betrifft dies Arbeitgeber und Fachkräfte? Dass sich bei Auslandsentsendungen nach Großbritannien einiges ändern wird, liegt auf der Hand. Doch auch hierzulande dürfte der Ausstieg Großbritanniens aus der EU für HR nicht folgenlos bleiben, zum Beispiel im Recruiting: Einer aktuellen Befragung von StepStone zufolge zieht es nun viele Briten nach Deutschland. Und vielleicht stehen mit dem Brexit bald noch andere Themen im Personalmanagement auf dem Prüfstand.

Die Modalitäten des Austritts stehen noch nicht fest. Deshalb warnen manche Experten wie Hubertus Douglas, Geschäftsführer von Korn Ferry in Deutschland, vor Kaffeesatzleserei. Zunächst ändert sich arbeitsrechtlich auch bei Auslandsentsendungen erst einmal nichts. Gleichzeitig empfehlen Entsendespezialisten, sowohl bestehende als auch zukünftige Verträge diesbezüglich zu überprüfen.

Deutschland ist Ziel Nr. 1

Auch im Recruiting von gesuchten Fach- und Führungskräften könnte sich eine Überprüfung lohnen. Einer internationalen Arbeitsmarktumfrage der Online-Jobbörse StepStone (im Juli wurden rund 40.000 Fach- und Führungskräfte aus Deutschland, UK und Irland befragt) zufolge planen schon jetzt 600.000 britische Fachkräfte, ihre berufliche Karriere in einem anderen EU-Land fortzuführen. Deutschland ist für die Briten laut der Untersuchung das favorisierte Zielland. Besonders deutlich zeige sich die Wechselabsicht unter den Expatriates, also deutschen Fachkräften, die in den letzten Jahren für ihren Arbeitgeber in UK im Einsatz waren: Mehr als die Hälfte von ihnen kann sich vorstellen, die Insel wieder zu verlassen und fast 40 Prozent organisieren bereits ihren Jobwechsel.

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Brexit als Stolperstein auf dem Karriereweg

Britische Fachkräfte gehen davon aus, dass der Brexit ihrer Karriere eher schadet als nützt. Immerhin jede zweite britische Fachkraft (49 Prozent) glaubt, dass sich der Ausstieg aus der EU negativ auf die heimische Wirtschaft auswirken wird – unter den Nordiren (60 Prozent) und den Schotten (52 Prozent) sind es sogar noch mehr. Ein Drittel der Befragten (33 Prozent) ist der Meinung, dass ihr Arbeitgeber künftig weniger erfolgreich sein wird. Vier von zehn Briten (41 Prozent) erwarten, dass sich ihre Jobchancen künftig verschlechtern und ein Drittel (34 Prozent) fürchtet, dass der Brexit ihr Gehalt negativ beeinflussen wird.

„Damit hat der Brexit das Potenzial, den Fachkräftemangel in Deutschland zu lindern. Unternehmen in Deutschland können von einer Zuwanderung und einer Stärkung des Standorts profitieren“, ist Dr. Sebastian Dettmers, Geschäftsführer bei StepStone.de, überzeugt. Die erhöhte Wechselbereitschaft britischer Fachkräfte könnten Personalentscheider in Deutschland für eine gezielte Kandidatenansprache nutzen. Jetzt sei mehr denn je die Zeit, um Stellenanzeigen auch in Englisch zu verfassen und auf Jobbörsen in UK und Nordirland zu schalten.

Trotz Brexit: Mehr Demokratie in Unternehmen wagen?

Damit dürfte die Liste der Themen, die der Brexit uns im Personalmanagement beschert, noch nicht zu Ende sein. Möglicherweise werden sich neben arbeitsrechtlichen Aspekten und neuen Recruiting-Chancen auch Diskussionen um die Führungskultur in Unternehmen ranken: Haben Unternehmen auch nach dem Brexit noch den Mut zu mehr demokratischen Entscheidungen? Oder dient der Brexit den Anhängern klassischer Hierarchien nun möglicherweise als Negativbeispiel?

Was meinen Sie: Welche Herausforderungen könnten mit dem Brexit noch auf HR zukommen?

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1 Comment

  1. Alles gut und schön.
    Ein wichtiges Thema, wenn nicht da zentrale (außer natürlich bei den Rückkehrern) ist das Sprachproblem, von bestimmten Branchen abzusehen wie Banking, L&R oder ähnlich mit Englisch durchsetzten, s. Erfahrung mit der Greencard, wo das Sprachproblem systematisch unter den Teppich gekehrt und das Scheitern mit verlogenen Argumenten erklärt wurde. Im Übrigen wäre es ja kein Unglück! Mit Ausnahmen: wo will man z.B. kurzfristig die 10.000 Banker unterbringen, die angeblich nach FfM wollen/sollen.

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