Liebe am Arbeitsplatz

Angelina Jolie und Brad Pitt, Gerhard Schröder und Doris Schröder-Köpf, Andre Agassi und Steffi Graf – was verbindet diese drei Paare? Alle haben sich bei der Arbeit kennengelernt! Laut einer forsa-Umfrage im Auftrag von Xing haben sich rund 14 Prozent der deutschen Arbeitnehmer bereits auf eine feste Bindung im Unternehmen eingelassen. Bei fast jedem Fünften hat es schon mal mit einem Kollegen gefunkt. Wenn man bedenkt, dass es in den fünfziger Jahren C&A-Mitarbeiter noch verboten war, miteinander anzubändeln, ist klar: In den letzten Jahrzehnten hat sich viel getan. Dennoch sind Beziehungen am Arbeitsplatz hierzulande immer noch ein kontrovers diskutiertes Thema. Zu groß ist auf Unternehmensseite die Angst, dass sich Turteleien oder Beziehungskrisen negativ auf die Produktivität auswirken.

Dass am Arbeitsplatz die Funken fliegen, ist nicht verwunderlich, verbringen Berufstätige doch einen Großteil ihrer Zeit mit den Kollegen: Abendliche Überstunden, Weihnachtsfeiern, Kantinenbesuche und Betriebsfeste sind beliebte Anbahnungssituationen. Die gemeinsamen Aufgaben, ähnliche Interessenlage, Herausforderungen und Erfolge verbinden. Schnell lernt man die Schwächen und Stärken des anderen kennen – das macht das Büro zu einer der größten Kontaktbörsen. Lediglich beim Ausgehen und im Freundeskreis ist die Wahrscheinlichkeit noch größer, den Partner fürs Leben kennenzulernen.

Abendliche Überstunden, Weihnachtsfeiern, Betriebsfeste: Das #Büro ist eine der größten #Kontaktbörsen Klick um zu Tweeten

Flirtverbot durch Arbeitgeber

Dem wollte Wal-Mart mit einer Ethik-Richtlinie den Riegel vorschieben: Der Konzern untersagte seinen deutschen Angestellten gemeinsame Abendessen und jegliche romantische Beziehung. Während derartige „codes of conduct“ in Amerika Gang und Gäbe sind, nehmen Arbeitnehmer hierzulande solche „Zölibatsklauseln“ als Eingriff in die Privatsphäre wahr. Das Landesarbeitsgericht Düsseldorf gab den Klägern Recht und entschied gegen Wal-Mart. Dem Urteil aus dem Jahr 2005 zufolge verstößt das Verbot gegen die Menschenwürde und ist damit unwirksam.

In den meisten Fällen sind dem Arbeitgeber also tatsächlich die Hände gebunden, denn das Privatleben der Beschäftigten ist für ihn grundsätzlich tabu. Wenn sich die Liaison allerdings auf die Zusammenarbeit im Betrieb auswirkt, können Unternehmen im Rahmen des Direktionsrechts eine räumliche oder organisatorische Trennung vornehmen – solange die neue Aufgabe weiterhin den Kompetenzen und Erfahrungen der Mitarbeiter entspricht.

#Flirtverbot durch Arbeitgeber? Das #Privatleben ist tabu, wenn der Betriebsablauf nicht gestört wird Klick um zu Tweeten

Doch was ist, wenn ein konkretes Abhängigkeitsverhältnis zwischen den Turteltäubchen besteht? Ruft die neue Beziehung Missgunst hervor? Gilt der ehemals als kompetent angesehene Mitarbeiter nur noch als Liebling der Chefin? Wie können Feedbackgespräche zwischen Vorgesetzten und ihren Partnern aussehen? Eine Versetzung kann dann sogar im Interesse der Beteiligten liegen. Unternehmen und Personalverantwortliche müssen hier Fingerspitzengefühl beweisen und individuell entscheiden, wie sie ihre Mitarbeiter schützen können, um den reibungslosen Arbeitsablauf zu gewährleisten.

 

Liebe am Arbeitsplatz

Werbung für die Liebe

Anstatt Romanzen am Arbeitsplatz mit Verboten zu belegen, macht sich die Kreativbranche die beflügelnde Wirkung einer neuen Liebe zu Nutze. Vor dem Hintergrund langer Agenturtage unterstützt sie nicht nur die Verschmelzung von Arbeit und Privatleben, sondern wirbt sogar für das Anbändeln unter Kollegen: So schaltete die Werbeagentur Jung von Matt ein Anzeige mit vier nackten Frauen und dem Slogan „Jede zweite Ehe entsteht am Arbeitsplatz. Alexandra, Diana, Anke und Christina arbeiten bei Jung von Matt“.

Wer glücklich verliebt ist, hat bessere Laune und geht beschwingter an seine Aufgaben ran. Liebe am Arbeitsplatz ist stimulierend und wirkt sich positiv auf das Arbeitstempo aus“, zitiert das Handelsblatt  die Hamburger Psychologin Manuela Hein. Erst wenn die Liebe nicht mehr ganz so frisch ist oder sich das Paar verstecken muss, werde es anstrengend und komme zu Überforderung.

Wandel in der Unternehmenskultur: Hier arbeiten Freunde!

Laut Dr. Sabine Hommelhoff, Projektleiterin der Studie „Freundschaften am Arbeitsplatz“  des Instituts für Psychologie an der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg, lässt sich ein Trend beobachten: Unternehmen legen immer mehr Wert auf das Thema Freundschaft. Sie sprechen dies nicht nur aktiv an, sondern fördern den Teamzusammenhalt durch gemeinsame, außerberufliche Aktivitäten. Freundschaft unter Kollegen soll als Wert in der Unternehmenskultur verankert sein. Ein Ausdruck dieser Entwicklung ist auch die sich aktuell immer stärker ausbreitende Duzkultur in Unternehmen.

Dahinter steht die Erkenntnis, dass die Beziehung zu den Kollegen bei vielen Beschäftigten der größte Motivationsfaktor ist. Das ergab die Simply-Talent-Studie von Oracle. Motivation und die Leidenschaft für den Job wirkt sich, laut der Untersuchung, bei 61 Prozent der Befragten entscheidend auf die Bereitschaft aus, im Job freiwillig ein höheres Arbeitspensum zu meistern. Vor allem die sogenannten Millennials legen Wert darauf, in einem verbindlichen, freundschaftlichen Umfeld zu arbeiten. Das Arbeitsumfeld wird immer mehr zum ausschlaggebenden Faktor bei der Jobwahl. Ein Feierabendbier auf der gemeinsamen Terrasse, der Morgenkaffee in der Küche – die Ebenen privat und beruflich vermischen sich immer mehr.

Die Beziehung zu den #Kollegen ist für viele Beschäftigten der größte #Motivationsfaktor. Klick um zu Tweeten

Wo die Liebe hinfällt

In der Monster-Umfrage „Beziehungen am Arbeitsplatz – Haben Sie einen Liebling in der Mannschaft?“ im Juni 2016 gaben 48 Prozent der Befragten an, eine enge freundschaftliche Bindung zu einem Arbeitskollegen oder einer Arbeitskollegin zu haben. Ein Fünftel der Befragten bestätigte, schon mal ein Date mit einem Arbeitskollegen gehabt zu haben. Wen wundert es da, wenn sich zwischen zwei Kollegen mehr entwickelt? Problematisch wird das meist erst dann, wenn Paare die Arbeit mit in den Feierabend nehmen oder ihr Privatleben im Büro ausleben.

Übrigens hat Xing 2013 ebenfalls abgefragt, welche Kollegen die attraktivsten Partner für eine Affäre am Arbeitsplatz sind: HR landete auf Platz 3 – hinter der Produktion und dem Vertrieb, aber vor der Buchhaltung und Marketing & PR!

 

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