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Autoritäre Führung ist old school!

„Autoritäre Führung ist old school!

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Interview mit Markus Daniel Weber, Keynote Speaker der Corporate Health Convention 2017

„Motivierte, leistungsfähige und gesunde Mitarbeiter sind der entscheidende Faktor für die moderne Arbeitswelt und die Zukunft eines Unternehmens im digitalen Zeitalter“, ist Markus Daniel Weber, Inhaber der V.I.T. GmbH, Motivationstrainer und ehemaliger Leistungssportler überzeugt. Welche sechs Faktoren dafür wesentlich sind, erläutert Weber in seinem Keynote-Vortrag am 10. Mai um 11.30 Uhr. Vorab erläutert er im Interview, was er persönlich unter gesunder Führung versteht.

Herr Weber, Ihr Credo lautet: „Der Mensch im Zeitalter von Industrie 4.0 und Digitalisierung braucht gesundheitsgerechte Führung!“ Was genau verstehen Sie darunter?

Menschen sind in Zeiten der Digitalisierung, der Revolution von Wirtschaft und Gesellschaft viel stärker gefordert. Es herrscht unglaublich viel Zeitdruck und eine enorme Informationsflut. Gleichzeitig gibt es aber immer mehr Sparvorgaben und es wird eine immense Effizienzsteigerung gefordert. Wenn zusätzlich zu diesen Phänomenen dann noch ein angespanntes Verhältnis zur Führungskraft besteht, etwa durch Misstrauen oder ständiges Herunterputzen, kann das zu gesundheitlichen Problemen führen, wie zum Beispiel erhöhtem Blutdruck und psychosomatischen Beschwerden. Studien der letzten Jahre beweisen, dass diese mit der erste Grund für Fehlzeiten von Beschäftigten sind und Fehlzeiten kosten viel Geld. Daher stehe ich zu meinem Credo: Um auch in Zukunft erfolgreich zu sein, brauchen Unternehmen in Zeiten der Industrie 4.0 eine gesundheitsgerechte Führung!

#Berufstätige brauchen im Zeitalter von #Industrie40 und #Digitalisierung eine gesundheitsgerechte #Führung! #gesundeführung #BGM Klick um zu Tweeten

Was hat denn der Führungsstil mit der Mitarbeitergesundheit zu tun?

Um es gleich vorneweg zu sagen: Führungskräfte sind nicht immer Schuld an Krankheitsausfällen oder mangelnder Motivation, sie können dies aber durchaus mit auslösen. Ich möchte Personalverantwortliche für eine neue Führungskultur sensibilisieren. Sie sollten regelmäßig reflektieren, ob ihre Führung wertschätzend ist und erkennen, wie wichtig es ist, dem Thema Mitarbeitergesundheit noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass gute Führung nachweislich psychische Beschwerden reduziert.

Inwiefern können Führungskräfte tatsächlich positiven Einfluss auf Ihre Mitarbeiter ausüben?

Führungskräfte müssen über ihr eigenes Verhalten nachdenken und ständig an sich selbst arbeiten. Sie vernachlässigen oft die menschliche, emotionale Komponente. Das liegt natürlich auch an ihrer eigenen Überlastung. Sie denken oft nur noch ergebnis- und zahlenorientiert und strahlen oft wenig Empathie aus. Das Topmanagement muss als Vorbild agieren und Gesundheit aktiv vorleben. In Zeiten von Industrie 4.0 muss außerdem eine verbesserte Unternehmenskultur geschaffen werden. Denn gerade die neue Mitarbeitergeneration möchte selbstständig und kreativ agieren, sich beruflich wie persönlich entfalten können. Der Sinn der Arbeit spielt eine immens wichtige Rolle. Um Mitarbeiter fürs Unternehmen zu gewinnen und diese schließlich auch binden zu können, müssen sich Verantwortlich etwas einfallen lassen. Nach meiner Erfahrung muss man sich für einen gesunden Führungsstil lediglich an sechs Faktoren halten.

Die da wären?

Zunächst einmal muss es der Führungskraft selbst gut gehen. Sie muss lernen, wie sie ihren Stress abbaut und ihre Kräfte einteilt. Außerdem müssen Lob und Anerkennung für Mitarbeiter ein regelmäßiger Begleiter sein. Anerkennung setzt Glückshormone frei und senkt im Endeffekt den Blutdruck. Führungskräfte sollten zudem ehrliches Interesse zeigen: Etwa an Geburtstage oder Jubiläen denken, Veränderungen bemerken und ansprechen, auch wenn es nur eine neue Frisur ist. Der nächste Einflussfaktor ist die eigene Transparenz. Die Führungskraft sollte unteranderem klare Aufträge erteilen, dann haben die Mitarbeiter auch deutliche Ziele. Ein weiterer Punkt, um positiv Einfluss zu nehmen, ist die eigene Lebenseinstellung: Wenn ich morgens schon mit einem griesgrämigen Gesichtsausdruck auf die Arbeit komme, wirkt sich das auch auf die Mitarbeiter aus. Da muss man sich zusammenreißen, eine positive, aufrechte Position einnehmen. Humor und Herzlichkeit sind diesbezüglich auch ganz wichtige Komponenten. Da trifft der Leitspruch „Freudehormone fressen Kampfhormone“ voll ins Schwarze. Das letzte Element betrifft die Kommunikation und Gesprächsführung.

#CHCD17-#Keynote Markus Daniel Weber: Ein moderner Führungsstil erfordert eine positive Lebenseinstellung, #Humor und #Herzlichkeit! Klick um zu Tweeten

Inwiefern?

Da zitiere ich immer gerne Goethe: „Wer Menschen behandelt, wie sie sind, macht sie schlechter. Wer sie aber behandelt, wie sie sein könnten, macht sie besser.“ Das heißt, eine Führungskraft sollte stets zum Ziel haben, das Selbstwertgefühl ihrer Angestellten zu stärken, nicht zu schwächen. Sie sollte sich eigentlich jeden Tag fragen: „Habe ich heute schon etwas Gutes getan?“

Gibt es bereits konkrete Kennzahlen, die den positiven Einfluss eines „gesunden Führungsstils“ auf die Leistungsfähigkeit und Gesundheit der Belegschaft nachweisen?

Ja! Die Initiative TOP JOB, ein Gütesiegel, das die beliebtesten Arbeitgeber ermittelt, hat zum Beispiel gemeinsam mit der Universität St. Gallen eine Befragung durchgeführt und es fällt auf: Führungskräften fällt eine zentrale Rolle zu: Es wurde analysiert, in welchem Maße gesunde Führung die psychische Gesundheit im Unternehmen beeinflusst. Es kam heraus, dass sich psychisch gesunde Mitarbeiter 45 Prozent mehr mit dem Unternehmen identifizieren und um 30 Prozent zufriedener sind. Die Unternehmensleistung steigt um 15 Prozent, wenn die Mitarbeiter mental gesund sind.

„Klassische Führung ist old school!“

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Kritiker moderner Führungsmethoden monieren, ein „zu laxer“ Führungsstil führe zu Autoritätsproblemen und somit zu sinkender Arbeitnehmermotivation. Wie sehen Sie das? Hat der klassische Führungsstil Ihrer Meinung nach ausgedient?

Ein hierarchischer, autoritärer Führungsstil ist ziemlich old school! Führungskräfte sind heute abhängig von ihren Mitarbeitern. Der Einfluss der Mitarbeiter wird immer stärker, daher muss sich die Führungskraft in Zeiten von digital Leadership, design thinking und open spaces anpassen.

Ein hierarchischer, autoritärer Führungsstil ist ziemlich #oldschool! #gesundführen #leadership #CHCD17 Klick um zu Tweeten

Trotz oder gerade wegen der Digitalisierung, die unser Leben und auch Arbeitsprozesse ja deutlich vereinfachen soll, klagen Arbeitnehmer und Führungskräfte zunehmend über mehr Stress und stetig wachsende Anforderungen. Welche Mittel helfen, um mit einem solchen Druck umzugehen?

Da kann ich nur sagen: Investieren Sie unbedingt in Ihre Vitalität. Das hat Auswirkungen auf die gesamte Lebenssituation – körperlich, mental, sozial und spirituell. Jeder Mensch, egal in welcher Lebenssituation, hat die Möglichkeit, etwas für sich zu tun. Natürlich in unterschiedlichen Intensitätsstufen. Es muss aber eine gewisse Wichtigkeit in unserem Leben einnehmen. Dann nehmen wir uns auch die Zeit. Nicht nur fachliche Fitness ist für den persönlichen und beruflichen Lebenserfolg wichtig, auch die körperliche Leistungsfähigkeit ist wesentlich. Der Beruf ist wie Hochleistungssport! Es braucht eine gute Vorbereitung, um im Wettkampf zu bestehen.

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Welche Tipps zur gesunden Führung könnten Sie Personalverantwortlichen und jenen, die es noch werden wollen, konkret an die Hand geben?

Da kann ich nur jedem raten, seine Resilienzfähigkeiten zu stärken. Resilienz ist die psychische Widerstandsfähigkeit gegenüber biologischen, psychischen und psychosozialen Entwicklungsrisiken. Wenn wir resilient sind, ist es möglich, stressige Situationen zu bewältigen. Ein wichtiger Punkt ist Akzeptanz: Wir sollten annehmen, was passiert und mit Optimismus an brenzlige Situationen herangehen. Handeln statt jammern! Dann müssen wir an unserer Selbstwirksamkeit arbeiten und auf die eigenen Bedürfnisse achten. Wir sollten außerdem bereit sein, Verantwortung für unser Handeln zu übernehmen und aus der Opferrolle herauskommen. Es ist außerdem wichtig, Netzwerke aufzubauen, soziale Bindungen einzugehen und Hilfe von anderen anzunehmen. Dann geht’s zum Thema Lösungs- und Zukunftsorientierung. Wir sollten uns regelmäßig fragen, welche Lebenswünsche und –visionen wir haben. Das kann dabei helfen, dem ganzen Stress und Druck Herr zu werden. Wenn Personalverantwortliche diese Punkte selbst beachten und eigene Ruheressourcen aufbauen, dann können sie auch andere gesund führen.

Das klingt ja alles sehr einfach und natürlich. Doch warum fällt das manchen Führungskräften noch schwer?

Das fällt schwer, weil Führungskräfte ganz oft Restriktionen erwarten. Das heißt, sie haben oft die Einstellung: „Wieso soll ich meine Mitarbeiter loben? Sie werden doch für ihre Arbeit bezahlt! Und außerdem, wer lobt denn eigentlich mich?“ – so nach dem Motto „krieg ich nix, geb‘ ich nix“. Dann haben viele sehr hohe Ansprüche an sich selbst, dass sie das gerne auf ihre Angestellten übertragen. Sie merken dabei oft nicht, dass sie damit auch schnell überfordern, weil etwa der Mitarbeiter viel jünger ist und weniger Erfahrung hat. Ich sollte mir als Führungskraft täglich die Frage stellen: Habe ich mir und meinen Mitarbeitern heute schon etwas Gutes getan, habe ich heute schon Lob ausgesprochen? Habe ich heute schon gelächelt?

Eine #Führungskraft sollte sich täglich die Frage stellen: Habe ich mir und meinen #Mitarbeitern heute schon etwas Gutes getan? #likeaboss Klick um zu Tweeten

Bei einer Skala von eins bis zehn: Wo stehen Fachkräfte heute?

Aus meiner Trainings- und Beratungserfahrung sehe ich gerade die jungen und angehenden Führungskräfte auf einem guten Weg. Sie bringen eine gesunde Kultur und neue Werte in die Unternehmen.

Vielen Dank für das Gespräch.


Zur Person:

„Klassische Führung ist old school!“

Markus Daniel Weber. Foto: Sage Press

Markus Daniel Weber ist seit 23 Jahren Inhaber der V.I.T. GmbH, Kaufmann, Sportlehrer, ehemaliger Leistungssportler und stellt sich auch heute noch immer wieder sportlichen Herausforderungen wie z. B. der Besteigung des Kilimandscharo und der mehrfachen Alpenüberquerung mit dem Bike. Als Coach und Motivationstrainer ist er Experte in den Bereichen gesunde Führung, mentale Stärke und Stressmanagement sowie Team- und Persönlichkeitsentwicklung.

 

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1 Comment

  1. Wie viele pauschale Aussagen stimmt auch diese nicht – es kommt immer auf den Kontext & die konkrete Situation an. Insoweit haben „klassische Führungsmethoden“ situativ durchaus ihre Berechtigung.

    Natürlich ist eine Resilienz fördernde Führung wichtig. Hier bedarf es jedoch auf die Frage „Welche Tipps zur gesunden Führung könnten Sie Personalverantwortlichen und jenen, die es noch werden wollen, konkret an die Hand geben?“ mehr als der Listung der bekannten R-Faktoren. Beispielsweise anhand des ECHO-Modells:

    EMPATHY: Ich verstehe Dich mit Deinen Gefühlen in Deiner Situation! & Ich akzeptiere Dich als Mensch!

    CLARITY: Ich gebe Dir klare Aufträge und ein erreichbares Ziel! & Ich erkläre Dir den Sinn und Zweck meiner Anweisung!

    HONESTY: Ich bin entsprechend der (Spiel-) Regeln aufrichtig & loyal zu Dir! & Ich werde fair und ehrlich in meiner Haltung zu Dir sein!

    ORIENTATION: Ich nenne Dir Deine Verantwortung und deren Grenzen! & Ich werde Dir ein positives Rollenmodell sein!

    ECHO ist ein „gesunder Führungsstil“. Ob man das einen „modernen Führungsstil“ nennen kann, wage ich zu bezweifeln – vieles ist GMV (Gesunder Menschenverstand), oder?

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