Alexandra Heinrichs sprach auf der PERSONAL2017 Nord über Erfolgstrategien für Mobile Work

Alexandra Heinrichs sprach auf der PERSONAL2017 Nord über Erfolgstrategien für Mobile Work

Die Karriere von Alexandra Heinrichs ist keine klassische Karriere, wie man sie aus dem oberen Management kennt: Von Jobsharing über Teilzeit und Elternzeit war alles dabei. Und trotzdem – oder gerade deswegen? – machte Alexandra Heinrichs im Unilever-Konzern Karriere. Seit 2014 ist die studierte Sozialwissenschaftlerin Vicepresident HR D-A-CH bei Unilever. Auf der PERSONAL2017 Nord sprach Heinrichs über die Erfolgsstrategien für Mobile Work und plauderte aus dem Nähkästchen, wie konkrete Maßnahmen bei dem Hamburger Konzern aussehen:

In Deutschland tut sich etwas. Mobile Work ist auf dem Vormarsch und wird nicht mehr als notwendiges Übel, sondern als Chance betrachtet. Für Heinrichs sind die deutschen Unternehmen aber noch lange nicht so weit, wie manche Unternehmen im Silicon Valley. In L. A. gebe es beispielsweise Work on Wheels: Ein fahrbares Büro, das einfach überall hingestellt werden kann. Das Projekt befindet sich zwar noch in der Pilotphase, aber Veränderungen entstünden nur, wenn neue Dinge ausprobiert werden.

Seit fast 20 Jahren ist Heinrichs bei Unilever. Als sie anfing für den Konzern zu arbeiten, gab es noch keinen Laptop für sie. Telearbeit war nur in Ausnahmefällen und mit Genehmigung möglich. Um zu verstehen, wo wir heute sind, muss auch auf die Vergangenheit eingegangen werden. Heinrichs machte in ihrem Vortrag deutlich, wo unsere Arbeitswelt, so wie wir sie heute kennen, ihren Ursprung hat: in der Präsenzkultur. Hierarchische Strukturen waren normal – und sind es heute teilweise immer noch. Für Heinrichs ist heute der Wandel alltäglich. Dinge ändern sich viel schneller – innerhalb von Tagen, Wochen, Monaten. Da sei es schon schwierig über Jahresziele nachzudenken, so Heinrichs: „Dinge, die wir bei Unilever im Januar vereinbart haben, sind jetzt schon nicht mehr aktuell und können in die Elbe geschmissen werden“.

Ohne funktionierende Technik geht es nicht

Um erfolgreich mobil arbeiten zu können, muss auch an der Haltung gearbeitet werden. Für Heinrichs heißt das: mentale Mobilität. „Ich kann die beste Technik haben – digital ohne Ende. Wenn die Menschen es nicht leben und sich eben nicht von ihrem Platz wegbewegen, es nicht nutzen, weil sie nicht wissen, wie es geht, dann hilft mir das ganze mobile Arbeiten überhaupt nicht“, ist sich die Sozialwissenschaftlerin sicher. Für sie gehe es darum, die Haltung von Führungskräften, Mitarbeitern und HR gegenüber der Kultur zu verändern, damit mobiles Arbeiten wirklich möglich ist.

 

Alexandra Heinrichs während ihres Vortrags

Alexandra Heinrichs während ihres Vortrags zum Thema Mobile Work

Was bedeutet mobiles Arbeiten für Führungskräfte und Mitarbeiter?

Heinrichs erzählt, dass sich Führungskräfte teilweise noch schwer tun mit Mobile Work. Häufig würde der Satz fallen: „Ich kann doch dann nicht kontrollieren, was meine Mitarbeiter den ganzen Tag machen.“ Bei Unilever heißt Jobsharing nicht, den Schreibtisch zu teilen, sondern die Arbeitsstelle. In dem Unternehmen gibt es Jobsharings, bei denen die eine Hälfte in Braunschweig arbeitet und die andere Hälfte in der Hamburger Zentrale. „Als Führungskraft heißt das für mich: Ich kontrolliere die Leistung meiner Mitarbeiter nicht mehr und gebe stattdessen die Verantwortung dafür ab.“ Führungskräfte müssten ihren Mitarbeitern vielmehr dabei helfen, ihren Job richtig zu machen, so Heinrichs. Es gehe nicht um Kontrolle, sondern um Coaching. Für Heinrichs sind Führung, aber auch Führungskräfte sehr individuell. Die jungen Führungskräfte seien da ganz entspannt. „Bei Unilever gibt es Reverse Mentoring. Da erklären die Jungen den Älteren die mobile Welt.“

Aber auch Mitarbeiter werden durch die Veränderungen gefordert. Wenn sie von ihrer Führungskraft bestärkt werden, dann müssen sie auch die Verantwortung annehmen. Mitarbeiter können nicht dasitzen und warten, bis sie eine Aufgabe bekommen. „Als Mitarbeiter muss ich mich selbst organisieren können. Entweder im Büro, im Home-Office oder sonst wo“, fordert Heinrichs in ihrem Vortrag. Vertrauen in sich selbst sei für die Mitarbeiter extrem wichtig, schlussfolgert die Personalerin. Und Heinrichs weiß, wovon sie spricht: Während ihrer beruflichen Zeit in der Schweiz hatte sie einen Jobsharing-Partner in Hamburg. Für zwei Tage pro Woche flog sie nach Hamburg, einen Tag hatte sie Home-Office. Um im War for Talents bestehen zu können, müsse es eine Kombination aus flexiblen Arbeitsmodellen und mobiler Infrastruktur geben. Nur so könne man seinen Mitarbeitern ermöglichen, Berufliches und Privates miteinander zu kombinieren.

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Flexibilität heißt nicht, keine Regeln zu haben

Allerdings bedarf es trotzdem klarer Regeln, damit nicht alle gleichzeitig wegbleiben. „Bei Unilever gibt es Ansprechzeiten und feste Meeting-Tage, damit die restliche Zeit flexibler eingeteilt werden kann. Freitags kein Meeting nach 14/15 Uhr, montags kein Meeting vor 10 Uhr“, berichtet Heinrichs. Das sind für sie Enabler, die es braucht, um ein Mobile Mindset im Unternehmen zu verankern. Als Führungskraft müsse man schauen, wie man unter diesen Bedingungen seine Leute zusammenbringt und eine Teamvision entwickelt: „Die Menschen können ihre Arbeit, als Führungskraft muss ich ihnen eine Vision geben und sie zusammenbringen.“

Human Resources müsse für jeden Mitarbeiter individuelle Lernprozesse anstoßen, denn auch Lernen sei individuell. Gerade die Millennials könnten durch flexible Modelle an ein Unternehmen gebunden werden. Laut Heinrichs werden Karrieren nicht mehr geradlinig verlaufen, wie es in der Vergangenheit der Fall war. Sie werden in Schlangenlinien verlaufen, mit Brüchen versehen sein.

Mobile Work stärkt auch die Employer Brand

Mobile Work ist für Heinrichs ein Blumenstrauß an verschiedenen Themen, bei dem es darum gehe, Strukturen aufzubauen und Dinge zu ermöglichen. Ohne funktionierende Technik könne dies jedoch nicht klappen: „Das Ergebnis von Mobile Work ist für Unternehmen vielfältig positiv, wir sind nicht am Ende von dem, was noch geht“ resümiert Heinrichs.
Am Ende ihres Vortrages setzt die Mutter eines Sohnes ihre offene Art gleich in die Tat um. Auf Nachfrage, ob sie ihre Präsentation zur Verfügung stellen könne, zögert sie keine Sekunde: „Heute lautet es nicht mehr ‚Wissen ist Macht‘, sondern ‚Wissen ist sharing‘!

Das Ergebnis von Mobile Work ist für Unternehmen vielfältig positiv! #MobileWork #Future Klick um zu Tweeten

Hier können Sie die Präsentation von Alexandra Heinrichs herunterladen.

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