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Mobbing: Nicht mit mir!

Mobbing: Nicht mit mir!

Foto: Dr. Holger Wyrwa

Im Gespräch mit Mobbing-Experte Dr. Holger Wyrwa.

Mehrere Millionen Menschen sind deutschlandweit von Mobbing betroffen – ob in der Schule, am Arbeitsplatz oder in den sozialen Medien. Die physischen und psychischen Folgen für Betroffene sind verheerend. Sie fangen bei Kopf- und Magenschmerzen an, reichen über Schlaf- und Angststörungen über Depressionen bis sogar zum Suizid – einmal ganz vom volkswirtschaftlichen Schaden abgesehen, der dadurch entstehen kann. Doch trotz allem scheint sich Mobbing in unserer Gesellschaft etabliert zu haben, wird oft sogar stillschweigend akzeptiert. Wie kann das sein? Und was können Betroffene dagegen unternehmen? Ratschläge erteilt Supervisor, Coach und Psychotherapeut Dr. Holger Wyrwa in seinem „Meet the Author-Vortrag“ auf der Corporate Health Convention 2017 in Stuttgart und bereits vorab bei uns im Interview.


Herr Dr. Wyrwa, das schöne Sprichwort „Was Du nicht willst, das man Dir tut, das füg‘ auch keinem anderen zu“ kennen schon kleine Kinder. Wie kann es also sein, dass mehr als 1,5 Millionen erwachsene Menschen – ich gehe davon aus, da zählen gemobbte Kinder und Jugendlichen nicht dazu – in Deutschland allein am Arbeitsplatz gemobbt werden?

In meinen Recherchen zum Thema habe ich mich dies immer wieder gefragt und nach dem Nährboden für Mobbing geforscht. Ich bin zu dem Ergebnis gekommen, dass Mobbing als ein Phänomen der Ausgrenzung von Menschen bereits tief in unserer Gesellschaft verankert ist. Es basiert letztlich auf dem archaischen „Recht“ des Stärkeren. Und gerade heute, wo sich alles in einem ständigen Wandel befindet und Unsicherheiten sich in allen Lebensbereichen finden lassen, wird dieses archaische „Recht“ mehr oder weniger offen gelebt. Um sich darüber ein wenig gefühlte Überlegenheit zu verschaffen, indem man andere ausgrenzt. Hier liegt der Nährboden für Mobbing in unserer Gesellschaft.

Es ist also klar: Mobbing ist kein Kavaliersdelikt. Es kann zu erheblichen gesundheitlichen Schäden führen und beeinträchtigt auch die Wirtschaft. Inwiefern?

Sie müssen sich Folgendes vorstellen: Nehmen wir einen Betrieb von etwa 100 Mitarbeitern, in dem zwei oder drei Personen einen Kollegen mobben. Der von Mobbing Betroffene selbst wird früher oder später keine vollständige Leistung mehr bringen können, weil er sich in irgendeiner Form wehren muss – indem er beispielsweise mit dem Vorgesetzten oder den Mobbern selbst zu reden versucht. Wenn der Gemobbte bemerkt, dass das alles nichts bringt, wird er oder sie früher oder später physisch und oder psychisch krank. Das führt zu krankheitsbedingten Ausfällen. Die Arbeit bleibt dann liegen oder muss von anderen Kollegen ausgeführt werden, die aber selbst viel zu tun haben. Da kann sich ein verhängnisvoller Kreislauf entwickeln. So entstehen nach einer Studie der Barmer Ersatzkasse (BEK), zwischen 15 und 25 Milliarden Euro volkswirtschaftlicher Schaden im Jahr.

Die meisten Betrachtungen des „Phänomens Mobbing“ konzentrieren sich – was natürlich auch absolut richtig ist – auf die Opfer. Doch Sie erklären in Ihrem neuesten Sachbuch auch, was sich im Kopf eines Mobbers abspielt. Wieso?

Zunächst haben mich nur die von Mobbing Betroffenen interessiert. Wir sprechen immerhin von aktuell ungefähr 1,5 Millionen Betroffenen in Deutschland. Das ist eine hohe Zahl. Klar fragt man sich da, wer denn diese Betroffenen sind. Doch gleichzeitig bedeutet das, dass es mindestens 1,5 Millionen Menschen gibt, die diese 1,5 Millionen mobben. Und da Mobber nicht immer alleine mobben, können da schnell 2,0 Millionen oder mehr zusammenkommen. Ich habe mich gefragt, wer sind diese Menschen, die andere gezielt psychisch unter massiven Druck setzen. Sie kommen zumeist alle aus der Mitte der Gesellschaft. Was sind ihre Beweggründe. Neid, Konkurrenzdruck oder anderen persönliche Motive erschienen mir letztlich nur die Oberfläche des Problems darzustellen.

Und was haben Sie herausgefunden?

Der gemeinsame Nenner aller Mobbingmotive ist, dass es darum geht, sich selbst in eine Position der Stärke zu bringen, indem andere in eine Position der Schwäche gebracht werden. Erst darüber, dass die von Mobbing Betroffenen zu Unterlegenen werden, ermöglicht es den Mobbern, sich ihnen überlegen zu fühlen. Das ist die grundlegende Triebfeder ihres Denkens, Fühlens und Handelns. Es geht darum, Menschen auszugrenzen und sich selbst einzugrenzen, das heißt ich gehöre dazu und du nicht. Betrachtet man das Ganze aus einer historischen Perspektive, so zieht sich das Phänomen der Ausgrenzung von Anbeginn der Menschheit bis heute wie ein roter Faden durch alle Gesellschaftsformen und Kulturen.

Wie denkt und fühlt also ein Mensch, der psychische Gewalt gegen andere Menschen ausübt? Warum wird man überhaupt zum Mobber?

Das wird besonders beim Mobbing unter Kindern und Jugendlichen deutlich: Ich kompensiere meine eigene Unterlegenheit und Unsicherheit damit, dass ich andere niedermache. Wenn viele andere aus der Gruppe dann entweder aus Feigheit mitmachen oder aber wegschauen, bestätigt sich letztendlich mein Handeln und hat für mich keine negativen Konsequenzen. Ich surve quasi auf einer Welle der eingebildeten Großartigkeit und Macht.

Warum wird man zum #Mobber? Ich kompensiere meine eigene #Unterlegenheit & surfe auf einer Welle der… Klick um zu Tweeten

Oft lassen sich auch zweite oder dritte Personen in Mobbing-Attacken mit einbeziehen. Mitläufer eben. Doch was ist mit denjenigen, die einfach wegsehen? Welche Rolle spielt dabei die Gesellschaft?

In einem meiner Bücher „Pro Mensch, contra Mobbing“ beschäftige ich mich mit Mobbing in der Schule. Da sind die Wegseher in ganz besonderer Weise relevant. Stellen Sie sich eine Klasse mit 30 Personen vor. Eine Person sucht sich jemanden aus, den sie mobben kann. Da viele in der Klasse den Mobber bewundern – denn Mobber in der Schule sind häufig beliebt – oder aber Angst vor ihm haben, müssen die anderen sich überlegen: „Helfe ich dem Gemobbten und riskiere damit, selbst zum Opfer zu werden?“ Gehe ich dieses Risiko nicht ein, stabilisiere ich damit das gesamte Mobbingumfeld. Würden die anderen aktiv eingreifen, hätten der oder die Mobber eigentlich keine Chance. Das passiert aber in den seltensten Fällen, da sich meist ein gruppendynamischer Effekt einstellt, der besagt: „Da die anderen ja auch nicht helfen, helfe ich auch nicht. Es muss schon einen Grund geben, warum sie nicht helfen!“ So denken aber auch die anderen und so kommt es zu einem stillschweigenden Akzeptieren des Mobbing. Eine typische Verantwortungsdiffusion.

Also könnte man eigentlich meinen, Mobbing sei eher ein Kinder- und Jugendphänomen, auf Grund der Unreife. Warum passiert es dann auch in der „Welt der Erwachsenen“? Diese sollten doch eigentlich gestandene Mitglieder der Gesellschaft sein.

Dieses Phänomen ist bei Erwachsen ähnlich ausgeprägt. Ich wurde selbst früher anderthalb Jahre lang auf der Arbeitsstelle gemobbt. Zuvor kam ich mit meinen Kollegen wunderbar aus. Gegen die Attacken meiner Mobberin haben sie allerdings nichts unternommen. Sie haben sich mehr oder weniger zurückgezogen. Die Mobberin war eine sehr mächtige Person; da hatten die Kollegen natürlich Angst, mir zur Seite zu stehen. Inoffiziell hieß es immer: „Wir verstehen Dich! Das ist nicht in Ordnung, was sie da tut!“, aber das hat mir nicht konkret geholfen. Das ist ein Problem, dass sich von der Schulklasse bis in den Arbeitsbereich durchzieht, dass die Wegseher das Mobbing stabilisieren.

Sie werden oft mit der Aussage zitiert: „Mobbing kann jeden treffen.“ Heißt das, es kann sich eigentlich keiner präventiv davor schützen?

Es ist unmöglich, sich vor Mobbing zu schützen. In der Literatur liest man oft von bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen und Verhaltensweisen, die eine Person quasi dazu „prädestinieren“, zu einem von Mobbing Betroffenen zu werden, etwa hohe Intelligenz, Kreativität, Eigenbrötlerei. Aber umgekehrt können niedrige Intelligenz, Kreativlosigkeit, soziale Aufgeschlossenheit genauso dazu führen, gemobbt zu werden. Es gibt keine Schutzmechanismen. Auch Führungskräfte können – insbesondere im sozialen Bereich – durchaus Opfer von Mobbingattacken werden. Etwa wenn alteingesessenen Kollegen ein neuer Vorgesetzter nicht passt: Da können Mobber in der Belegschaft gerade in der Probezeit gravierende Schäden für den oder die Neue(n) anrichten.

Mobbing: Nicht mit mir!

Foto: Pixabay.com

Wie fühlt sich das für Betroffene an?

Sie müssen sich vorstellen, dass von Mobbing Betroffene oftmals tiefgreifende Belastungen mit nach Hause nehmen: Die Arbeitsleistung, die vorher gut war, fällt ab. Das Standing bei den Kollegen verschlechtert sich, weil Gerüchte verbreitet werden. Damit muss man erstmal leben. Diesen psychischen Druck kann ein Mensch auf Dauer nicht verkraften: Schlaflosigkeit, Bauch-, Rücken- und Kopfschmerzen können die ersten Symptome sein. Dann kann Mobbing schließlich auch zu einer Depression, Angststörung oder einer posttraumatischen Belastungsstörung führen. Im schlimmsten Fall zu massiven Persönlichkeitsveränderungen.

Wie können sich Betroffene erfolgreich wehren?

Sie sollten sich zunächst an den Betriebsrat oder den Vorgesetzten wenden. Ist der direkte Vorgesetzte der Mobber, dann eben an die nächst höhere Instanz. Sie können auch versuchen, mit dem Mobber selbst zu reden. Das habe ich damals in meiner Mobbingsituation auch versucht. Das wären die konventionellen Maßnahmen. Schließlich kann und sollte man einen Rechtsanwalt konsultieren – dafür muss die Sache aber schon recht verfahren sein. Mobbing läuft allerdings auf einer so subtilen Ebene ab, dass es nur schwer zu beweisen ist. Vor Gericht gehen deswegen auch viele Fälle nicht zu Gunsten des Gemobbten aus. Da kommt es oft nur zu einem Vergleich. Im Worst Case halte ich dann auch das „zurückmobben“ für gerechtfertigt, das habe ich in meinem Fall getan – mit Erfolg!

Und wie gehen Betroffene in diesem Worst Case-Szenario genau vor?

Die offizielle Macht kann man dem Mobber nicht nehmen, die persönliche Macht allerdings schon – und darum geht es vielen Mobbern. Sie genießen das Gefühl, überlegen zu sein und dieses Gefühl kann man ihnen und sollte man ihnen nehmen. In meinem aktuellen Sachbuch: „Mobbing nicht mit mir“ und vor allem in meinem Ratgeber: „Mobbt die Mobber“ habe ich beschrieben, wie man Mobber massiv unter Druck setzen kann. Nichts können Mobber weniger vertragen, als das man ihnen zeigt, dass man sich wehren kann. Mit dem Ziel, dass das Mobbing aufhört, es zu einem Waffenstillstand kommt oder eben, um eine hohe Abfindung zu erzielen, wenn man das Unternehmen verlassen will.

#mobbt die #mobber zurück: Nichts können solche Menschen weniger vertragen, als das man ihnen zeigt, dass man… Klick um zu Tweeten

Erfordert das „zurückmobben“ nicht ungemein viel Kraft?

Definitiv. Diese Methode ist auch nicht für jeden geeignet. Viele von Mobbing Betroffene sind schon so angeschlagen, dass sie nicht mehr die nötige Kraft dafür aufbringen können. Notwehr-Mobbing – wie ich es nenne – ist auch eine ziemlich gefährliche Angelegenheit, denn man darf sich dabei natürlich nicht erwischen lassen.

Handelt man mit dieser „Auge um Auge, Zahn um Zahn“-Mentalität nicht moralisch genauso verwerflich wie der Mobber selbst?

Als ich mich damals mit einem Notwehr-Mobbing verteidigt habe, fiel es mir sehr schwer. Denn ich halte mich für einen sehr friedfertigen und auf Konsens hin angelegten Menschen. Ich bin auch nicht stolz auf das, was ich getan habe. Aber es war notwendig. Es ging um mein berufliches, reputatorisches und auch finanzielles Überleben.

Was war das dann für ein Gefühl, die andere Seite einzunehmen?

Ich ging sehr planend vor, überlegte mir Schachzüge, schätzte die Nah-, Neben-, und Fernwirkungen meiner Handlungen ein. Dann gab es eine Situation, in der ich mit meiner Mobberin – natürlich unter vier Augen – in einen verbalen Schlagabtausch geriet. Hier stellte sich bei mir ein fast triumphales Gefühl von Macht und Überlegenheit ein, so dass ich erschrak. Denn so muss sich wohl ein Mobber gegenüber seinem vermeintlichen Opfer fühlen. So wollte ich aber nicht fühlen. Ich musste mich ständig reflektieren, um nicht in diese Macht-Falle zu geraten, was unweigerlich geschehen wäre, wenn ich meine berufliche Position nicht aufgegeben hätte. Dank meiner Gegenwehr bekam ich eine überdurchschnittliche Abfindung. Man sollte ein Notwehr-Mobbing nur durchführen, wenn wirklich alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Und man muss sehr aufpassen, nicht so zu werden, wie der Mobber aller Wahrscheinlichkeit nach ist.

#Notwehr-#Mobbing: Nur dann, wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind und wenn man noch genügend #Kraft… Klick um zu Tweeten

Gibt es keinen anderen Weg, sich dem Mobbing zu entziehen? Welche Hilfen bietet zum Beispiel die deutsche Gesetzgebung?

Leider gibt es in Deutschland kein Gesetz gegen Mobbing, das strafrechtlich relevant wäre – in manchen Ländern schon, Schweden und Frankreich zum Beispiel. Wobei man sich natürlich auch dabei wieder die Frage stellen muss, ob das vielleicht letztlich nur eine symbolische Bedeutung hat. Denn ein „guter Mobber“ weiß seine Attacken so gut zu verschleiern, dass es vor Gericht eben nicht wirklich verwertbar ist. Bei uns gibt es zwar Paragrafen in unterschiedlichen Gesetzen, aber die sind alle sehr vage. Cybermobbing dagegen ist schon konkreter bekämpfbar, da es schwarz auf weiß nachzuweisen ist, insofern man den Verursacher ausfindig machen kann. Auf Grund der schwierigen Beweislage wäre ein Anti-Mobbing-Gesetz zwar nicht die Lösung allen Übels, aber zumindest ein Anfang.

Was würden Sie sich für die Zukunft wünschen?

Ich würde mir wünschen, dass Menschen schon so früh wie möglich gegen Mobbing ankämpfen: Angefangen in der Schule – denn dort liegt die Quelle. Lehrer sollten in der Lage sein, Mobbing zu erkennen, die Wegseher zu stabilisieren und dazu zu bringen, Mobbing in der Schulklasse erst gar keine Chance zu geben. Das wäre theoretisch die Basis. Diese jungen Menschen könnten diese Fähigkeiten dann im Übergang zum Berufsleben vielleicht wieder einsetzen. Im Unternehmen würde eine Betriebsvereinbarung gegen Mobbing eventuell schon gute Dienste leisten, wenn sie tatsächlich auch gelebt wird. Damit könnte Mobbing sicherlich schon eingegrenzt werden. Der letzte Punkt wäre, die gesellschaftlichen Ursachen zu bekämpfen: Den Menschen ins Bewusstsein zu rufen, dass es keine Lösung ist, seine eigene Unzufriedenheit und Unsicherheit damit zu kompensieren, dass sie andere Menschen erniedrigen und ausgrenzen. Das ist aber natürlich reine Phantasie und lässt sich nicht von heute auf morgen erreichen, wenn überhaupt.

Sehen sie da überhaupt eine reelle Chance?

Es ist schon sehr schwer, ein solches gesellschaftliches Phänomen zu verändern. 2003 habe ich mein erstes Buch über Mobbing herausgebracht und ich muss leider feststellen, dass sich seitdem nicht viel verändert hat. Obwohl Mobbing schon seit über 20 Jahren ein Thema ist, habe ich das Gefühl, mit meinen Workshops, Büchern oder Therapie- und Beratungsstunden noch immer Pionierarbeit zu leisten. Das mutet zwar deprimierend an, dennoch möchte ich den Menschen ein gutes Gefühl geben und in ihnen den Mut wecken, sich nichts gefallen zu lassen.

Zur Person:

Mobbing: Nicht mit mir!

Dr. Holger Wyrwa. Foto: Privat

Dr. Holger Wyrwa ist promovierter Erziehungswissenschaftler, Vertragspsychotherapeut, Supervisor, Coach sowie Leiter des Instituts für Beratung und berufliche Fort- und Weiterbildung (IBF). Seine Tätigkeitsbereiche sind unter anderem Coaching, Mitarbeiterführung und Mobbing-Beratung. Der Autor wurde selbst eineinhalb Jahre lang gemobbt und hat sich erfolgreich dagegen zur Wehr gesetzt. Er hat mittlerweile vier Bücher – zwei Fachbücher, ein Sachbuch, einen Ratgeber – zum Thema Mobbing geschrieben.

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3 Comments

  1. Ein wirklich sehr guter Beitrag. Ich persönlich habe Erfahrung mit Mobbing, beginnend bei der Arbeit und anschließendem Cyber-Mobbing + Bullying durch Dritte/Stalking in meiner Freizeit gemacht. Dem Auslöser, der in diesem Beitrag beschrieben wird, würde ich zustimmen. Ich denke jedoch, dass mitunter auch die Persönlichkeit des Mobbers eine Rolle spielen kann. In meinem Fall handelte es sich mitunter um Personen, die dich mit Psychologie, Esoterik beschäftigten und sich bereits zuvor ziemlich seltsam verhalten hatten. Alles in allem ging das fast 2 Jahre. Seitens Polizei wurde ich unter anderem belächelt. Ärzte können zwar beraten warum , aber das löst das Problem nicht. Aus meiner Erfahrung heraus kann ich nur raten, das Unternehmen oder den Personenkreis unverzüglich zu verlassen, falls Ungereimtheiten auftreten, Personen sich zuvor bereits seit längerem sonderbar oder „zweigesichtig“ verhalten, sei es durch seltsame Kommentare oder zum Beispiel häufigem unpassenden Verhalten in bestimmten Situationen. In einem Fall war es mitunter so, dass einer der Mobber mich zu kleineren Straftaten anstiften wollte und wenn ich nicht dergleichen tat, wurde ich beispielsweise als krank bezeichnet oder vor Kollegen lächerlich gemacht. In einem anderen Fall verstand der Mobber nicht, dass er mit seinem Verhalten andere schädigt, sondern belächelte es nur. Gerade hier halte ich es für nicht sinnvoll zu verhandeln.

  2. Das ist ein guter und wichtiger Artikel. Mobbing ist ein dauerhaftes Phänomen und ich würde mir genauso wie Herr Dr. Wyrwa wünschen, dass mehr und vor allem auch frühzeitig dagegen vorgegangen wird. Ganz wichtig ist es, sich immer vor Augen zu halten, dass man von Gesetzes wegen nicht alleine gestellt ist. Es ist zwar kein Straftatbestand, aber trotzdem hat z.B. auch der Arbeitgeber die Pflicht, Mobbing zu bekämpfen (ist ja schließlich auch in seinem Interesse). Hier nochmal genauer: „Der Arbeitgeber ist auf Grund seiner Verantwortung aus dem Arbeitsverhältnis verpflichtet, seine Arbeitnehmer vor Eingriffen in deren Persönlichkeits- und Freiheitsrechte durch Vorgesetzte, Mitarbeiter oder Dritte, auf die er Einfluss hat, zu schützen.“ (vgl. https://www.betriebsrat.de/portal/betriebsratslexikon/M/mobbing.html) Sollte der AG natürlich an den Mobbingaktionen beteiligt sein, ist es wieder sehr schwierig. Da hilft evtl. der Betriebsrat oder im Härtefall kündigen.

    • An sich scheint das alles korrekt zu sein, nur ist es mitunter auch z. B. von der Kultur, Führungsstilen etc. im Unternehmen abhängig. Ist der Chef selbst daran beteiligt, kann es auch an der Persönlichkeit des Chefs oder, bei Mobbing durch Kollegen, der des Kollegen abhängig sein. Es gibt Unternehmen bzw. Führungskräfte, die so etwas befürworten, die z. B. Mitarbeiter wünschen, die im Chaos den Durchblick behalten. Mit dem Argument, es sei im Interesse des AG, kommt man hier nicht weiter. Ich persönlich habe einmal in Unternehmen gearbeitet, in dem man eine solche bzw. so ähnliche Kultur pflegt – zum Einen seitens der AG, aber auch AN. Bei letzterem schien das „Faustrecht“ gängige Praxis zu sein. In meinem Bekanntenkreis gab es unter anderem Vorfälle wie z. B., dass der AG dem Mitarbeiter gegenüber Wutanfälle bekam und Gegenstände, z. B. große Aktenordner, nach dem AN warf oder den AN vor anderen KollegInnen schlecht machte. Rechtlich dagegen vorgehen zu wollen ist, meiner Meinung und Erfahrung nach, in Deutschland fast unmöglich, nichtzuletzt, weil es an Sensibilisierung für dieses Thema bereits da, wo der Strafprozess beginnt, fehlt. Dann lieber kündigen [lassen] und sagen, man sei dem Job nicht gewachsen etc., ggfs. vollständiger Kontaktabbruch [falls es sich um „hartnäckige“ Mobber handelt] und etwas Neues suchen.

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