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Gesunde Arbeit in Zeiten rasanter Digitalisierung

Gesunde Arbeit in Zeiten rasanter Digitalisierung

Foto: Pixabay.com

Demografischer Wandel, Fachkräftemangel, Digitalisierung und der Anstieg psychischer Arbeitsanforderungen – Schlagworte, die Unternehmen und Beschäftigte zunehmend mehr fordern. Als Teil eines modernen HR-Managements kann BGM dabei helfen, diese Herausforderungen zu meistern. Arbeitswissenschaftler und Gesundheitspädagoge Dr. Peter Krauss-Hoffmann zeigt in seinem „Meet the Expert“-Vortrag diesbezüglich aktuelle Erkenntnisse auf, stellt Praxishilfen vor und wirft Fragen zur Fortentwicklung einer „nachhaltigen Personalpolitik“ auf.


Herr Dr. Krauss-Hoffmann, die Begriffe Arbeiten 4.0, künstliche Intelligenz und mobile Work begegnen uns im Arbeitsalltag mittlerweile fast täglich. Arbeitnehmer wie Unternehmen machen sich Sorgen, dass die Digitalisierung mehr nimmt, als sie gibt – auch gesundheitlich. Wie stehen Sie dazu?

Fest steht schon jetzt, dass mit der Digitalisierung sowohl Chancen (beispielsweise zeit- und ortsunabhängiges Arbeiten) als auch Herausforderungen (wie Entgrenzung, potenziell ständige Erreichbarkeit) verbunden sind. Weil wir aktuell noch gar nicht genau wissen, welche Auswirkungen die Digitalisierung auf die psychische Gesundheit von Beschäftigten hat, vernetzt sich psyGA mit vielen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Zurzeit wird im Rahmen des Projektes psyGA untersucht, welche Herausforderungen in Bezug auf die psychische Gesundheit konkret für die drei Jobfamilien Industriearbeit/Produktion, Handel/Logistik und Dienstleistung/Wissensarbeit bestehen. Dazu wird psyGA im Mai ein Zukunftsforum durchführen und die Ergebnisse der Diskussion auch aufarbeiten und einer breiteren Fachöffentlichkeit zur Verfügung stellen.

Was sind die aktuell größten Herausforderungen, mit denen Unternehmen und Arbeitnehmer auf Grund der digitalen Transformation zu kämpfen haben?

Für die psychische Gesundheit der Beschäftigten ergeben sich durch die Digitalisierung vielfältige Herausforderungen. Je nach Branche, Betriebsgröße und Wissenstand gestalten sich diese Herausforderungen jedoch unterschiedlich. So kann beispielsweise zeit- und ortsflexibles Arbeiten als große Erleichterung im Alltag (z.B. bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf), aber auch als Entgrenzung und Überforderung wahrgenommen werden. Auch die ständige Erreichbarkeit ist damit zunächst ambivalent einzuschätzen. Ich bin aber sicher, dass ein modernes Betriebliches Gesundheitsmanagement hier wichtige Unterstützungsarbeit leisten kann und das wir mit dem Arbeitsschutz auch Leitplanken setzen müssen.

Dr. Peter Krauss-Hoffmann von @INQAde: Ein modernes #BGM kann für #HR wichtige Unterstützungsarbeit leisten,… Klick um zu Tweeten

Bei INQA wird oft von einer „Kultur der Gesundheit“ gesprochen, die Unternehmen anstreben sollten, um die Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit einer Belegschaft zu erhalten und zu fördern. Was genau ist damit gemeint?

Das ist ganz einfach erklärt: Wir meinen eine gesundheitsförderliche Unternehmenskultur – eine Kultur der Gesundheit. Dies ist aus unserer Sicht die Basis für die Förderung der Gesundheit im Unternehmen. Sie schafft mit ihren Traditionen und Werten ein unverwechselbares Klima und damit den Nährboden für Zufriedenheit, Gesundheit und Leistungsfähigkeit.

Welche Rolle spielt die Führungskultur eines Unternehmens dabei?

Führung ist ein ganz wichtiger Schlüssel für die Umsetzung einer gesundheitsgerechten Unternehmenskultur. Neben den Zahlen auch die Gesundheit der Beschäftigten im Blick zu behalten – das macht eine solche positive Führungskultur aus. Gleichzeitig müssen sich auch Führungskräfte und Unternehmensleitungen ihrer Vorbildfunktion bewusst sein. Denn nur wer auch auf seine eigene Gesundheit achtet, kann das selbe von seinen Beschäftigten erwarten.

#Führung spielt eine Schlüsselrolle: Sie müssen #Vorbild in Sachen #Gesundheit sein. #positive… Klick um zu Tweeten

Wie kann betriebliches Gesundheitsmanagement konkret helfen, körperlichen und seelischen Belastungen am Arbeitsplatz vorzubeugen? Haben sie ein, zwei Praxisbeispiele zur Hand?

Unternehmen können viel tun, wenn es um BGM geht. Dabei kommt es nicht auf die Unternehmensgröße an, sondern vielmehr darauf, am Ball zu bleiben und alle mitzunehmen. Verschiedene Methoden haben sich bewährt: zum Beispiel eine Mitarbeiterbefragung, ein Ideentreffen zum Austausch unter den Beschäftigten oder ein Gesundheitszirkel. Für viele dieser Methoden braucht es auch keine besonderen Ressourcen von außen. Für vieles gibt es aber auch Unterstützung durch die Sozialversicherungsträger, die die betriebliche Präventionsarbeit in den Unternehmen und Verwaltungen begleiten.

Die Digitalisierung hat mittlerweile auch die Gesundheitsindustrie fest im Griff. Wearables, Fitness-Apps und Co. sind schon längst Teil unserer Gesellschaft. Doch was ist mit den all den Daten? Wie werden die genutzt? Ist das Thema Gesundheit nicht zu heikel, um es dem Internet der Dinge zu überlassen?

Als Projekt der Initiative Neue Qualität der Arbeit kann psyGA in diesem Zusammenhang nur über die eigenen Angebote sprechen. Wir unterstützen Unternehmen und Organisationen „klassisch“ mit Broschüren, aber auch mit neuen Medien, vor allem Tablet-Apps. Wir setzen bewusst darauf, keine Daten von unseren Nutzern zu erheben, denn das Thema „psychische Gesundheit“ ist sehr sensibel und privat. Gleichwohl können über neue Medien Nutzer erreicht werden, die bislang in der Vergangenheit die üblichen Präventionsangebote genutzt haben. Als Projekt wollen wir deshalb weiter an unseren Zielgruppen dran bleiben und Angebote liefern, die ankommen. Dabei ist und bleibt für uns der Datenschutz aber das höchste Gebot.

Zur Person:

Gesunde Arbeit in Zeiten rasanter Digitalisierung

Dr. Kraus-Hoffmann. Foto: Privat

Dr. Peter Krauss-Hoffmann, Arbeitswissenschaftler und Gesundheitspädagoge. 2000 Berufseinstieg bei der Deutschen Bahn AG im Bereich Human Resource Management mit den Schwerpunkten Personalentwicklung und Qualifizierung. 2002 Wechsel in die Bundesverwaltung zur Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) mit Schwerpunkten in den Bereichen „Qualifizierung“, „Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA)“, „Transfer“ sowie „wissenschaftliche Politikberatung“. Im Rahmen von INQA baute er im Bund gesundheitsbezogene Netzwerke für Fachakteure und Kompetenznetzwerke für Betriebe (KMU) auf.  2011 Wechsel in das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Berlin/Bonn. Dort Projekt- und Büroleiter, z. Zt. Regierungsdirektor und Projektkoordinator „Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt/ PsyGA“. Nebenberuflicher Lehrbeauftragter an der Hochschule des Bundes in Brühl sowie am Fachbereich Sozialversicherung der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Zahlreiche Veröffentlichungen in Fachpublikationen zum Themenfeld „Gesundheit in der Arbeitswelt“.

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1 Comment

  1. Ein durchaus interessanter Artikel, der die Vorteile und Nachteile gut hervorhebt. Vielen Dank für die Angerungen!

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