Vom Mitarbeiter zum Mitdenker: Digitales Mindset für Beschäftigte ein Muss

Fotos: Jack Tillmanns

„Die digitale Transformation ist nichts als ein weiterer Wandel. Doch vor Veränderungen hat der Mensch immer Angst, darum muss ihm diese Angst genommen werden!“, ist Professor Wolfgang Henseler, Inhaber der Professur an der Hochschule Pforzheim im Bereich Digitale Medien, überzeugt. In seinem Vortrag auf der PERSONAL2017 Süd am 09. Mai zeigte der Digitalisierungs-Profi, wie und warum Unternehmen und Beschäftigte sich den Herausforderungen der digitalen Transformation stellen müssen. Sein Fazit: Ein digitales Mindset ist für Beschäftigte unerlässlich!

Wie also verändert die digitale Transformation und mit ihr die Generation Netzwerk unsere Arbeitswelt? Was sind die neuen Anforderungen an Beschäftigte und Unternehmen? Wie muss ein Individuum in dieser 4.0 Welt denken? „Zunächst müssen wir die Menschen für die Veränderungen sensibilisieren, die gerade in der Arbeitswelt vor sich gehen und sie andererseits dazu inspirieren, das Potenzial des Neuen zu erkennen“, erklärt Prof. Henseler. Ein viel differenzierteres Denken sei dafür erforderlich. Ein digitales Mindset. Ein Beispiel könne man sich an der Start-up-Szene nehmen, die diese neue Art des Denkens bereits verinnerlicht habe.

Die digitale Business-Transformation betreffe alle Branchen. Ein Unternehmen müsse sich ständig hinterfragen, ob es noch mit adäquaten Geschäftsmodellen arbeite und eine netzwerkorientierte Struktur vorweisen könne. „Kein hierarchisches Denken mehr, eher ein prozessuales Denken in Richtung ‚Design Thinking‘ oder dem Nachfolger ‚Hybrid Thinking‘ ist hier gefragt“, weiß der Master of Creative Directions sowie Gründer und Managing Creative Director von SENSORY-MINDS, einem Designstudio für Neue Medien und innovative Technologien. Die wichtigste Frage aber laute: „Können meine Mitarbeiter das überhaupt umsetzen? Und vor allem: Haben sie das richtige, das digitale Mindset dafür?“

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Menschen müssen auf neues Mindset vorbereitet werden

Denn so ein Wandel vollzöge sich nicht von heute auf morgen. Die Menschen müssen darauf vorbereitet werden und es brauche einige Zeit, bis sie die neuen Strukturen akzeptiert und schließlich auch verinnerlicht hätten. Das beweise auch die Geschichte der Industrialisierung: Immer wenn neue Erfindungen die Wirtschaft revolutionierten, hatten die Menschen zunächst Angst, obsolet zu werden – sowohl in der Industrie 1.0, als die Dampfmaschine Einzug erhielt, als auch im Zuge der Automatisierung und Elektrifizierung mit der Industrie 2.0 sowie im Rahmen der Industrie 3.0, in der mit E-Business, E-Commerce und Co. alles „E“ wurde.

Laut Henseler habe es immer zehn bis fünfzehn Jahre gedauert, bis sich neue Ideen und Prozesse in den Köpfen der Menschheit durchsetzen konnten. Irgendwann versteht der Mensch, was der Nutzen einer neuen Technologie ist und erwartet dann, dass sie entsprechend funktioniert. „Dasselbe passiert jetzt mit der Industrie 4.0: Durch die Robotisierung, dem Internet of Things sind alle Produkte miteinander verknüpft. Die Zeit für manuelle Arbeiten läuft sukzessive ab. Da müssen sich die Menschen erst einmal dran gewöhnen und sich entsprechend darauf einstellen“, so Henseler.

Der Mitarbeiter wird zum Mitdenker

Der heutige Handwerker oder Arbeiter, wie der LKW-Fahrer, der eine manuelle Tätigkeit durchführt, werde künftig nicht mehr einfach nur LKW fahren. Er entwickle sich zum Kopfarbeiter, zum Dispatcher, der sich künftig damit beschäftigen wird, wie er seine Ware logistisch am effizientesten von A nach B bringt, während der LKW von alleine fährt. „Tendenziell führt diese Entwicklung weg von der physischen Handarbeit, hin zur Kopfarbeit; der Mitarbeiter wird zum Mitdenker“, prognostiziert der Professor für Digitale Medien.

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Schon heute suchten Unternehmen eher Kleinunternehmer im Betrieb; Mitdenker, die mehr über methodisches als über fachliches Wissen verfügen. Faktenwissen könnten wir uns heute schon sehr schnell aus unseren „kleinen digitalen Geräten“, wie Smartphone, Tablet und Co. besorgen. „Sie sind intuitiv bedienbar und stehen für all das, was die technologische Transformation ausmacht: Die Optimierung der Nutzerfreundlichkeit“, erklärt Henseler und verdeutlichte diese These am Beispiel Apple. Der Knackpunkt für den Erfolg des Unternehmens sei gewesen, den PC zum ersten Mal aus Nutzer- und nicht aus technischer Sicht zu denken.

Der Nutzer fordere heutzutage ein, dass er immer und überall auf Informationen zugreifen, Produkte bestellen und unmittelbar mit anderen in Kontakt treten kann. Und der Markt tut laut Henseler alles daran, dies zu erfüllen: Das Internet der Dinge und Dienste steckt heutzutage überall drin, im Armband, im Pulli, den Schuhen; überall ist feine Sensorik zu finden, die immer kleiner, leistungsfähiger wird und alles miteinander verknüpft. Alltagsobjekte sind allesamt mit Mikrosensorik versehen, um auch nur den leisesten Wunsch ihrer Kundschaft schnellstens erspüren zu können.

Vom Mitarbeiter zum Mitdenker: Digitales Mindset für Beschäftigte ein Muss

Fotos: Jack Tillmanns

Usability ist der natürliche Treiber für Veränderung

Um solche Dinge gestalten zu können, sei bei den Gestaltern eine neue Denke von Nöten, betont Henseler in seiner Keynote. Als Paradebeispiel nennt er den Logistik-Riesen „Amazon“: Dort hätten Mitarbeiter bereits verinnerlicht, wie sie in der neuen Arbeitswelt erfolgreich werden beziehungsweise bleiben: „Wie steigere ich meine Usability, wie komme ich schneller an mein Ziel, wie kann ich den Weg optimieren“ seien Fragen, die sich die Beschäftigen permanent stellten. „In der ‚Generation Netzwerk‘ verändern sich Nutzererwartungen sehr schnell, werden individueller und situativ relevanter. Macher müssen mittlerweile sehr disruptiv denken, denn der Markt muss immer schneller neue Ideen zu Produkten machen, um den Anforderungen der Kunden gerecht werden zu können“, sagt der Gründer von SENSORY-MINDS. Auch hier werde wieder deutlich: „Die Usability ist der natürliche Treiber für Veränderung!“

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„Auf einmal steht der Mensch bei neuer Technik im Vordergrund, man spricht von nutzerzentriertem und nicht nutzerorientiertem Denken um den Menschen herum“, weiß der Digitalkreative. Dafür müssten Produkte möglichst nah an ihn heran kommen, etwa per Smartwatch oder Tracking-Armband. Dabei spielte die Datenerfassung eine große Rolle, denn nur mit dem Wissen aus der Datenabfrage weiß der Markt, was seine Kundschaft will. Diese Daten müssen nicht nur erfasst, sondern auch entsprechend ihrer Datability, dem Informationsgehalt, ausgewertet werden. Und die Datensicherheit müsse natürlich dabei auch gewährleistet werden. Diese Kompetenzen würden immer wichtiger, um am Ende die beste User Experience zu kreieren.

Die Digitale Transformation als mentale Transformation

Damit die jetzigen Mitarbeiter nicht auf der Strecke bleiben, müssten diese neuen Kompetenzen entsprechend ausgebildet und gefördert werden. Der aktuelle Handarbeiter müsse in Zukunft zum Kopfarbeiter entwickelt werden. Für Unternehmen wird es laut Henseler daher immer wichtiger, die existierende Mitarbeiterschaft so schnell wie möglich in die neue Welt mitzunehmen – die Lerngeschwindigkeit eines Unternehmens und seiner Belegschaft wird für das Bestehen am Markt ausschlaggebend sein.

Es kristallisiere sich also immer deutlicher heraus: Die digitale Transformation ist vor allem ein Umdenken, eine mentale Transformation. Das mache es aber auch wieder schwierig, denn Umdenken bedeutet, aus Mustern auszubrechen. Und wenn man nicht gelernt habe, kreativ oder innovativ zu denken, falle es einem später verhältnismäßig schwer. Große Unternehmen fangen heute schon an, umzubauen; Mitarbeiter mit klassischer Denke werden zunehmend obsoleter. „Irgendwann werden Führungskräfte nicht mehr das Kupfer, also das Produkt, als Hauptmedium betrachten, sondern die Intelligenz ihrer Mitarbeiter“, wirft Henseler einen Blick in die Zukunft. Dabei dürfe allerdings nicht außer Acht gelassen werden, diese Transformation sozialverträglich zu gestalten, ergo dass diejenigen, die noch nicht über digitale Kompetenzen verfügen, auch ihre Chance bekommen. Die ständige Frage müsse sein: „Wie schaffe ich es, meine Mitarbeiter in diesen Dimensionen zu befähigen?“

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Kreative Räume für das digitale Mindset

Denn das klassische Skill Set verändere sich rapide: Methodisches Wissen und soziale Kompetenz werden immer wichtiger, gibt Henseler an. Es entwickele sich hin zu einem innovativen, kreativen Denken, eben dem Design Thinking, mit dem Fokus eines permanenten Optimierens. Auch die Führung müsse sich entsprechend anpassen. In Sachen Leadership sei vor allem soziale Kompetenz gefragt: „Bin ich teamfähig und in der Lage, kleine agile ‚Teams of Excellence‘ zu führen? Wie befähige ich Mitarbeiter, die noch nicht wissen, dass sie überhaupt über solche Fähigkeiten verfügen?“ Für kreatives Denken müssten außerdem die entsprechenden Räume geschaffen werden, sowohl lokal als auch temporal.

„Die Digitalisierung ist nicht einfach nur der Wandel vom Analogen ins Digitale. Es geht vielmehr um die intelligente Verknüpfung beider Welten, die sogenannte Intermedialisierung. Wichtig ist, dass wir alle Mitarbeiter in den Prozess des neuen Mindsets 4.0 mitnehmen“, betont der Design Thinking-Experte und schließt mit einem Zitat Einsteins seinen Vortrag ab: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“

Zur Person:

Prof. Wolfgang Henseler ist Gründer und Managing Creative Director von SENSORY-MINDS, einem Designstudio für Neue Medien und innovative Technologien. Gleichzeitig hält er eine Professur an der Hochschule Pforzheim im Bereich Digitale Medien und Master of Creative Directions. Er ist Begründer und Studiengangleiter des Studiengangs „Intermediales Design“ und unterrichtet in den Fächern Digitale Transformation, Design- und Innovation-Thinking, Next Generation Business Model und User Experience. Er ist Experte für kunden- und nutzerzentrierte 4.0- Business- Lösungen und Spezialist für medienbasierte Markenerlebnisse und Design Thinking. Als Visionär, Impuls- und Orientierungsgeber für „neues“ Denken im Zeitalter der Digitalisierung, inspiriert und coacht Prof. Henseler namhafte Unternehmen. Sein Fokus hierbei liegt auf der Vermittlung der zukünftigen Chancen und Möglichkeiten für Unternehmen, Gesellschaft und Politik.

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