Best-of-Interviews_Stefanie-Hornung

Das Interview als journalistische Darstellungsform hat viele Vorteile: Es stellt Experten in den Vordergrund, die Informationen und Erkenntnisse mit ihren eigenen Worten erläutern. Wissensfragen, eigene Meinung oder persönliche Geschichten – ein Interview kann verschiedene Facetten haben. Beim Thema Personalmanagement heißt das: Unternehmensvertreter berichten aus ihrer Praxis, Wissenschaftler hinterfragen dies mit neuen Erkenntnissen und bekannte Persönlichkeiten, die vielleicht auf den ersten Blick gar nichts mit dem Thema zu tun haben, öffnen den Blick und befördern uns für kurze Zeit heraus aus unserer eigenen Erkenntnisblase.

Als Initiatorin dieses Blogs habe ich viele Interviews hier veröffentlicht, die ich die letzten (fast) 11 Jahren als Pressesprecherin der Messen Zukunft Personal und PERSONAL führen konnte. Manche Gespräche aus dem Kreis der Messeakteure wurden auch von unseren Medienpartnern publiziert. Als Dank an die Leser und die Partner habe ich zum Abschied aus meiner Position als Kommunikationsverantwortliche der Personalfachmessen elf Interviews ausgewählt, die für mich persönlich ein (Lern-)Erlebnis waren. Die Auswahl ist nicht leicht gefallen.

 

11 Jahre – 11 Interviews: Best of #Arbeitswelt- und #HR-Expertise von @St_Hornung Klick um zu Tweeten


BZ7T2008_Zukunft-Personal_Foto-Pfluegl_130918Richard David Precht: „Keine Lehrpläne definieren, aber Bildungsstandards“

Unser Schulsystem bereite junge Menschen höchst unzureichend auf das Leben und die moderne Berufswelt vor, beklagte der Philosoph und Publizist Richard David Precht in seinem Buch „Anna, die Schule und der liebe Gott“. Gemeinsam mit einer Kollegin sprach ich 2013 mit ihm darüber, woran die Schule krankt und wie sie besser auf das Leben vorbereiten könnte. Statt Bulimie-Lernen fordert Precht Projektarbeit und individuelles Lernen. Jeder Schüler solle seine eigenen Schwerpunkte wählen können. Er zitiert dazu den Soziologen Hartmut Rosa: „An unseren Schulen werden die Menschen zu Chefsekretärinnen ausgebildet.“ Der Chef lege das Sujet hin, das es einzusortieren und abzulegen gelte. So sei Schule. Überhaupt: Man solle die Welt nicht in Fächer einteilen. Eine Berechtigung könne Schule heute nur noch haben, wenn sie die soziale Persönlichkeit der Schüler trainiere: „Sie sollten lernen, später mit allem im Leben und in der Arbeit umzugehen zu können, auch mit Fehlern.“

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_MG_1378Sascha Lobo: „Personaler sollten gleiche Ausgangsbedingungen für alle schaffen“

Bereits mit seinem Buch „ Wir nennen es Arbeit“ hatte Sascha Lobo, der „Netzerklärer der Nation“ (Magazin Wired), die Arbeitswelt im Visier. „Wir erleben eine Art Verflüssigung der Arbeitswelt“, konstatiert er im Frühjahr 2016 im Interview. „Der Begriff Lifelong Learning geistert schon lange herum und man konnte sich nie so richtig etwas darunter vorstellen. Jetzt wird immer deutlicher, dass der Begriff in sehr vielen Branchen bedeutet, überhaupt arbeitsfähig zu bleiben“, so der Spiegel-online-Kolumnist. „Wir sind kurz davor, dass die Plattformen Arbeit – auch im Personalbereich – so ändern, dass man eine ständige und strukturelle Lernsituation etablieren muss.“ Das Standardinstrumentarium eines Jobs wandle sich laufend. Personalentwicklung werde deshalb zu einer zwingenden Voraussetzung dafür, dass die Beschäftigten überhaupt arbeiten könnten.

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Susan-GreenfieldBaroness Susan Greenfield: „Digitale Medien sollten Mittel zum Zweck sein und nicht Selbstzweck“

Digitale Medien schaffen eine neue Erfahrungswelt – mit Instant Messaging, Netzwerk-Identitäten, verminderter Privatsphäre und Hier-und-Jetzt-Erlebnissen. Analog dazu verändert sich auch das menschliche Gehirn, sagt die Neurowissenschaftlerin Baroness Susan Greenfield. Es sei immer noch am aufregendsten, unsere eigene Vorstellungskraft zu nutzen. „Mit digitalen Medien ersetzen Sie das durch die Phantasie und die Bilder eines anderen, auch wenn diese vielleicht technisch sehr gut und clever gemacht sind.“ Oft erfordere dies keine tiefen Gedanken oder weiterreichende Reflexion. Die Autorin des Buches „Mind Change“ ist überzeugt, dass Technologie nicht per se alles besser macht und dass wir unsere Empathie-Fähigkeit manchmal besser schützen sollten. Ihre Message: „Digitale Medien sollten Mittel zum Zweck sein und nicht Selbstzweck“.

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Breithaupt_Fritz-picProf. Dr. Fritz Breithaupt: „Der digitale Lehrer wird uns fortwährend begleiten“

Maßgeschneiderte Computerprogramme entwickelten sich zu persönlichen Lehrern – und zwar in naher Zukunft, meint Fritz Breithaupt, Professor für deutsche und vergleichende Literaturwissenschaft sowie affiliierter Professor für Kognitionswissenschaften an der Indiana University in Bloomington (USA). Dies könnten wir uns so ähnlich vorstellen wie Siri bei den Apple-Produkten: Über eine Software könne man ständig mit einer lehrenden Stimme in Kontakt treten und sich in dialogischer Form weiterbilden – wie etwa Heinrich Schliemann, der Entdecker Trojas, der über diese Methode im Hin und Her des Dialogs mit Einheimischen viele Sprachen lernte. Empathieverluste befürchtet auch Breithaupt, zieht jedoch andere Schlüsse als Greenfield: Es gebe keine Alternative zur Entwicklung des virtuellen Lehrers, deshalb müsse man neue Systeme mit Lernen in Gruppen und Betonung von sozialen Kompetenzen verbinden.

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metaplan_Kuehl_KlausNather_2322_FAVORIT_skProf. Dr. Stefan Kühl: „All diese gut klingenden Managementkonzepte bringen Steuerungsprobleme mit sich“

Als Organisationssoziologe an der Universität Bielefeld prägt Prof. Dr. Stefan Kühl seit vielen Jahren als mahnender Kritiker die Debatte über Dezentralisierung, Hierarchieabbau und Empowerment. Zudem bringt er bei Metaplan als Berater sein Know-how in die Praxis ein. Der Autor von Büchern wie „Wenn die Affen den Zoo regieren. Die Tücken der flachen Hierarchien“ hat es besonders auf den Begriff „Arbeiten 4.0“ abgesehen. Zeitdiagnosen würden nur noch in Versions-Nummern ausgerufen. „Es wird die Industrie 4.0. ausgerufen, in der die zunehmende informationstechnische Vernetzung zwischen Unternehmen wichtiger wird, oder es wird – wie in einem Grünbuch des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales – unter dem Label Arbeit 4.0. bekannt gemacht, dass sich in der Arbeitswelt sehr viel ändert. Aber was soll daran neu sein?“, fragt sich Kühl. Übersieht er die Wucht und disruptive Kraft der Digitalisierung? Vielleicht. Seine Beobachtungen zu Funktionsweisen der „New-Work-Ansätze“ (aus dem Jahr 2015) sind aber allemal lesenswert.

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Cortinovis-251x300Stefanie Cortinovis: „Wir haben klassische Führungskräfte abgeschafft“

In der Unternehmenspraxis wird die Dynamik der Digitalisierung durchaus als Herausforderung wahrgenommen. Die Bedingungen auf vielen Märkten sind deutlich härter geworden: Kundenanforderungen ändern sich ständig und Unternehmen müssen flexibel darauf reagieren, wenn sie im Wettbewerb bestehen möchten. Agilität lautet deshalb das neue Zauberwort. Doch wie können Betriebe ständige Veränderung zum Prinzip erheben? Und wie nehmen sie die Mitarbeiter dabei mit? Die whatever mobile GmbH, ein international agierender, inhabergeführter Mobile Solutions Provider mit Sitz in Hamburg, gehört zu den Pionieren auf dem Gebiet und kultivierte dabei auch die Zusammenarbeit auf Augenhöhe, ohne klassische Führungskräfte. Ein spannender Ansatz mit Vorbildcharakter, der sich inzwischen sicher noch weiter entwickelt hat. Im September 2015 sprach ich mit Personalmanagerin Stefanie Cortinovis über die Idee, die Umsetzung, Erfolge und Rückschläge.

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Bascha-MikaBascha Mika: „Wenn es eine Quote gibt, steigen Frauen auch auf“

Zeitungen sind traditionell patriarchal und hierarchisch geprägt. Sie hat es trotzdem in die Chefredaktion geschafft: Bascha Mika, heute Chefredakteurin der Frankfurter Rundschau. Von 1999 bis 2009 war sie Chefredakteurin der Taz, dem ersten quotierten Unternehmen der Republik – das hatten sich die taz-Frauen laut Mika 1980 erkämpft. „Aufgrund dieser Erfahrung kann ich sagen, wenn es eine Quote gibt und Frauen überall vertreten sind, steigen sie auch auf.“ Ob die Gleichberechtigung bei ihr auch das Gehalt erreicht hatte, vermochte sie im Herbst 2014, als wir dieses Interview führten, noch nicht zu sagen. Ein höheres Gehalt ihres männlichen Kollegen konnte sie nicht auszuschließen – das sei ja nicht ungewöhnlich. „Ja, weil wir zu blöd sind, richtig hart zu verhandeln. Wir können nicht über unseren Schatten springen. Obwohl ich in meinen Büchern schreibe, Mädels, wir müssen da härter werden, mir fällt es unendlich schwer. Da muss ich mit mir selbst schimpfen.“

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Alf-RehnAlf Rehn: „ Wer immer mehr Kreativität will, macht Mitarbeiter müde“

Warum sind Unternehmen nicht kreativ, obwohl die Chefs Innovationen massiv fordern? Darüber sprach ich 2014 mit Alf Rehn, Management-Professor an der Åbo University, Finnland, und „Enfant Terrible“ der Business-Vordenker. „Ich habe noch nie einen Betrieb kennengelernt, dem es an Ideen mangelte, niemals, nirgends – und ich habe schon mit den langweiligsten Unternehmen des Planeten zusammengearbeitet. Der Punkt ist vielmehr: Sie sind unglaublich gut darin, Ideen zu zerstören.“ Betriebe müssten die Ressourcen für kreatives Arbeiten anbieten: Zeit und Raum dafür, aber auch das Eingeständnis, dass man es mit Kreativität wirklich ernst meine. Das  Problem sei außerdem oft, dass wir zu nett zueinander seien. „Wir sind einfach ganz brav und schlagen nichts vor, was irgendjemand verärgern oder von dem sich jemand angegriffen fühlen könnte. So bringen wir eine Organisation nicht voran.“

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GunterDueck02_CommonLenseGunter Dueck: „Personaler bauen gern alles nach ihrem Bilde um“

Erst kürzlich rockte er die re:publica mit seinen Lästereien über die flachsinnige Entwicklung, dass er noch immer zu Vorträgen über „digitale Transformation“ gebeten werde: der Mathematiker und Ex-IBM-Manager Gunter Dueck. Für die Zukunft Personal 2016 hatten wir uns glücklicherweise ein anderes Thema überlegt: „Von Metawork und Backbrains – Gedanken über intelligentes Arbeiten“. Im Vorgespräch, das zu einem längeren Interview in drei Teilen wurde, bekamen vor allem die Personaler ihr Fett ab: „Man predigt, dass sich eine innovative Kultur ausbreiten soll, aber Arbeitgeber stellen immer wieder Klone von sich selbst ein.“ Die Kultur bleibe ewig gleich, wenn nicht ganz Passende sofort als Querdenker, Künstler und Verschrullte gesehen würden. Im Gespräch kommen wir auch auf seine Liebe für Kalauer zu sprechen. Beispiel gefällig? „Computer sind bald schlau wie Mitarbeiter. Jetzt lernen Manager, wie man Computer anmacht.“

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Brenner_onlineKatrin Brenner, Stadt Iserlohn: „So können wir das demografische Problem mit Flüchtlingen lösen“

Die Stadt Iserlohn hatte 2016 rund 100 Ein-Euro-Jobs für Geflüchtete geschaffen. Das Besondere dabei: Die Stadt kombinierte die Arbeitseinsätze mit Deutschunterricht und Gesellschaftslehre und vermittelte die Neuankömmlinge im Anschluss an passende Arbeitgeber weiter. Iserlohn wählte die Geflüchteten in Kooperation mit dem Berufsbildungswerk auf Basis einer umfassenden Potenzialanalyse aus und begleitete sie über zwei Jahre. Doch was ist eigentlich aus dem Projekt geworden? Vermutlich wurde ihm die weitere Finanzierung entzogen – die Stadt Iserlohn zahlte rund 200.000 Euro für dieses Projekt, vor allem für das Berufsbildungszentrum und den Erwerb von Qualifikationen, für Anleiter, Betreuer und Lehrer, die für eine hohe Berufsorientierung sorgten. „Nur Ein-Euro-Kräfte, das kann jeder“, sagte Katrin Brenner, damals Leiterin des Ressorts Generationen und Bildung der Stadt Iserlohn – ein kleiner Fingerzeig auf das Bundesarbeitsministerium. Und tatsächlich wird nun auch die Förderung der Ein-Euro-Jobs gerade wieder zurückgefahren. Zeit, sich auf dieses Modell zurück zu besinnen?

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Roger_Willemsen_London_2012_Anita_Affentranger_webRoger Wilemsen

„Seine Gäste ließ er die Wucht seiner Bildung nie spüren. Doch die Zuschauer wussten immer, da steht ein ausnehmend Kluger”, schrieb die Süddeutsche Zeitung in ihrem Nachruf auf Roger Willemsen (* 15. August 1955, † 7. Februar 2016). Auch ich habe diese Erfahrung gemacht, als er mir 2014 ein Interview gab, in dem wir über gängige Vorstellungen von Erfolg und Scheitern im Beruf sprachen. Roger Willemsen war Autor, Universitätsdozent, Übersetzer, Herausgeber und Korrespondent, ehe er 1991 zum Fernsehen kam, wo er in den folgenden 15 Jahren gut zweitausend Interviews führte, Kultursendungen produzierte, Filme drehte. Er interviewte unter anderem Audrey Hepburn, Yassir Arafat, Michail Gorbatschow, Madonna, Yehudi Menuin, Pierre Boulez, Margaret Thatcher und den Dalai Lama. Später stand er mit Stand-Up-Programmen auf deutschen Bühnen. Seine Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt. Zuletzt erschienen die Werke „Afghanische Reise“, „Hier spricht Guantánamo“, das mit dem Rinke-Preis ausgezeichnete Buch „Der Knacks“, sowie „Bangkok Noir“ und „Das Hohe Haus. Ein Jahr im Parlament“.

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Stefanie-HornungÜber die Autorin

Stefanie Hornung gehörte viele Jahre als Pressesprecherin zum Team der Zukunft Personal, Europas größter Messe für Personalmanagement, sowie  zum Team der PERSONAL Nord und Süd.

 

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