Social-Media_recruiter

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Im Bereich der aktiven Ansprache potenzieller Kandidaten für eine zu besetzende Stelle (Active Sourcing) ist der Umgang mit fremden Social Media Profilen eine Selbstverständlichkeit. Aber benötigen Recruiter notwendigerweise eigene Social Media Profile, fragt Personalmarketing-Verantwortlicher und HR-Blogger Stefan Scheller?

Die Frage hat durchaus ihre Berechtigung. Sehr oft höre ich von Recruitern aus unterschiedlichen Unternehmen Sätze wie „Naja, ich nutze privat kein Facebook. Was soll ich auch posten?“. Social Media im Unternehmen verantwortet oft die Marketingabteilung, vielleicht noch das Personalmarketing. Dementsprechend sind keinerlei eigene Social Media Profile vorhanden und die Erfahrung mit diesem Medium fehlt. Dabei geht es beim Aufbau von Business Social Media Profilen in erster Linie gar nicht um das Posten eigener Inhalte, sondern um das Gefunden-Werden.

 

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Die eigene Sichtbarkeit im Netz

Viele Unternehmen kommunizieren aktuell über eine anonyme E-Mail-Adresse wie karriere@unternehmenXY.de oder bewerbung@unternehmenxy.de. Die hinter diesem Gruppenpostfach stehenden Recruiter treten namentlich nicht in Erscheinung. Bewerber werden gezwungen ihre Bewerbung ebenso anonym an „Sehr geehrte Damen und Herren“ zu richten.
Recruiter müssen sich heute eine grundsätzliche Frage stellen: Wie viel Persönlichkeit bringe ich in meinen Job ein? Oder anders gefragt: Wie authentisch zeige ich mich in der Bewerberkommunikation – was gebe ich von mir selbst preis? Der Trend hin zum Social Recruiting schreitet voran und immer mehr Personaler nutzen die Vorteile dieser modernen Kommunikationsform. Doch Social Recruiting braucht stets ein persönliches Gegenüber.

Bewerber wollen heute nicht mehr mit Unternehmen kommunizieren, sondern 1:1 mit Personen. Dies zu ermöglichen ist auch Ausdruck für eine geänderte Wertschätzung, ein Schwenk in Richtung mehr Augenhöhe zwischen Jobsuchenden und Personalern.

 

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Die Nachteile im Blick

HR-Personalverantwortliche argumentieren gerne damit, dass im Netz sichtbare Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leichter von Mitbewerbern abgeworben werden können und daher eine solche Sichtbarkeit nicht gewollt ist. Aber seien wir ehrlich: Wirklich zufriedene Mitarbeiter lassen sich nicht abwerben. Social Media hin oder her.

Wer als Recruiter via Social Media eine erhöhte Sichtbarkeit erlangt, erhält höchst wahrscheinlich über diese Kanäle zusätzliche Anfragen. Dies bedeutet natürlich zusätzlichen Aufwand, zum Beispiel beim Beantworten entsprechender Nachrichten. Für wen jedoch eine solche Aufwandsbetrachtung an erster Stelle steht, der verkennt die Möglichkeiten, die darin stecken. Immerhin geht es um den Kontakt zu potenziellen Bewerbern. Würde es sich um kaufwillige Kunden handeln, würden Sie ja auch keine künstlichen Kommunikationshemmnisse aufbauen wollen, oder?

Vorbild bei Mitarbeiterempfehlungsprogrammen

Immer mehr Unternehmen setzen Mitarbeiterempfehlungsprogramme ein, weil sie davon ausgehen, dass ihre Mitarbeiter fachlich geeignete und zum Unternehmen passende Kontakte über ihre persönlichen Netzwerke kennen. Zur Empfehlung konkreter Stellen teilen Mitarbeiter Ausschreibungen von der Karrierewebsite ihres Arbeitgebers über ihre persönlichen Social Media Profile. Damit erhöht sich die Reichweite einer Ausschreibung teilweise deutlich. Recruiter, die ein vitales Interesse an der Stellenbesetzung haben, sollten hier mit gutem Beispiel vorangehen. Ein eigenes Social Media Profil auf einer Businessplattform wie XING oder LinkedIn ist dafür Voraussetzung.

Rahmenbedingungen müssen klar definiert werden

Zur professionellen Nutzung von persönlichen Social Media Profilen im geschäftlichen Umfeld müssen einige Rahmenbedingungen klar definiert werden. Insbesondere muss geklärt sein, ob es sich um ein privates oder geschäftliches Profil handelt. Nicht nur wegen der darauf angepassten Kostentragungspflicht. Vielmehr geht es um die Möglichkeiten des Arbeitgebers, Vorgaben für die Gestaltung einer Portfolioseite (XING) zu machen oder um den rechtlichen Rahmen für einen Zugriff auf die darüber getätigte Kommunikation.
Vom Unternehmen ausgearbeitete Social Media Guidelines vereinfachen das Verständnis und helfen bei  Zweifelsfragen zum Beispiel mit Blick auf den gesamten Prozessablauf sowie die Dokumentation. Im Kern ist Social Media für Recruiter aber kein Hexenwerk.

Fazit

Die Sichtbarkeit von Recruitern im Social Internet ist ein Zeichen einer modernen Kommunikationskultur und hat zahlreiche Vorteile. Selbst wenn die von den Recruitern gesuchten Zielgruppen keine große Social Media Affinität aufweisen, so haben Bewerber dennoch ein Interesse daran, etwas über die Personen zu erfahren, mit denen sie im Rahmen ihrer Bewerbung kommunizieren.
Das  Social Media Profil des Recruiters als Treffer in der Google-Ergebnisliste erfüllt genau diesen nachvollziehbaren Wunsch und hebt Bewerber auf Augenhöhe. Eine positive Candidate Experience ist die Folge. Und damit ein gelungener wichtiger Schritt zur erfolgreichen Personalgewinnung.

 

Das Social Media Profil des Recruiters hebt Bewerber auf Augenhöhe. #CandidateExperience… Klick um zu Tweeten

 

Veranstaltungstipp: Treffen Sie Stefan Scheller bei seinem Vortrag „Personalmarketing – Up2date mit Persoblogger.de“ auf der Zukunft Personal in der Blogger Lounge!

19.09.2017
14.00 – 15.00 Uhr
Koelnmesse
Halle 2.1

 


 


Über den Autor

persoblogger-stefan-schellerBlogger Stefan Scheller bringt in seinen persönlichen HR-Blog unter Persoblogger.de seine Praxiserfahrung beim IT-Dienstleister DATEV eG ein und hinterfragt aktuelle Entwicklungen und Trends. Darüber hinaus unterzieht der mehrfache Buchautor und Speaker zahlreiche Online-Plattformen kritischen Praxistests und berichtet darüber.

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