Quelle: Designerspics

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In Deutschland gibt es 32 Crowdworking-Plattformen und etwa 1-2 Millionen Crowdworker, viele davon im Nebenerwerb und höher gebildet als der Bevölkerungsdurchschnitt. Ihre Bedeutung für den Arbeitsmarkt ist noch minimal, aber nach Ansicht vieler Experten steigend.

Darum lohnt es sich also, über die meist solo-selbständigen Crowdworker als ernsthaften Baustein zukünftiger HR-Portfolios nachzudenken, obwohl das Image des Crowdworkings geprägt ist von getakteten Miniaufgaben (micro tasks) wie z. B. Bilder vertaggen, Fotos von Produkten oder Werbeträgern in realer Umgebung schießen oder eben eine Wand streichen. Aber  geht auch weit in die Wissensarbeit hinein – wie z.B. Übersetzungen, Lektorate, Forschungsdienstleistungen oder Softwareentwicklung.

Die Bandbreite von #Crowdworking besteht aus mehr als nur aus micro tasks. Klick um zu Tweeten

Expertenwissen für jedes Unternehmen

Damit ist es auch mittelständischen Unternehmen möglich, Expertenwissen (z.B. zur Umsetzung eines Digitalisierungsprojekts) in das Unternehmen einzubinden, ohne den/die Experten gleich fest anstellen zu müssen. Die Vorteile für den Auftraggeber liegen auf der Hand:

  • Zugang zu einer weltweiten und stets verfügbaren 24/7 Crowdworkerschaft
  • Tausende von kleinteiligen Arbeitsaufgaben können gleichzeitig erledigt werden
  • Alles ist in kürzester Zeit fertig
  • Das Ganze ist sehr preisgünstig

Auf Initiative von testbirds haben die Crowdworking-Plattformen clickworker, content.de, streetspotr, CrowdGuru, AppJobber, StreetScout zusammen mit der IG Metall und dem Deutschen Crowdsourcing Verband e.V. (DCV) einen Code of Conduct für bezahltes Crowdworking erarbeitet, dem auch 24insights und die englische Plattform BugFinders beigetreten sind.

Verlässliche Rahmenbedingungen für den Crowdworker

Darin wird für das bezahlte Crowdworking die Gestaltung guter digitaler Arbeit als Selbstverpflichtung der Branche definiert, um gesetzlichen Regelungen in diesem Bereich der Arbeit 4.0 vorzubeugen. Es wurde versucht, einen Ausgleich zwischen dem Heben innovativer und kreativer Potenziale neuer Arbeitsformen und den Arbeitnehmerrechten zu finden. Da Crowdworking stets global erfolgt, wurde bei der Bezahlung auf vergleichbare ortsübliche Entlohnung am Standort des Crowdworkers abgestellt.

Dieser CoC ist einmalig für die Branche auf der Welt. Da der einzelne Crowdworker noch immer in einem Zustand höchster Rechtsunsicherheit in Sachen Scheinselbständigkeit agiert und er als Selbständiger alle seine Sozialkosten selbst zu stemmen hat, ist es wichtig, gerade für die am unteren Ende der Einkommen befindlichen Crowdworker verlässliche und berechenbare Rahmenbedingungen für sein volkswirtschaftlich immer wichtigeres Tun zu schaffen.

Ein CoC im Breich #Crowdworking ist einmalig für die Branche auf der Welt Klick um zu Tweeten

Auf der Zukunft Personal wird in Halle 3.2 am 20.9. ein ganzer Crowdworkingtag stattfinden, der vom DCV organisiert wird. Dabei wird neben den rechtlichen Grundlagen mit Crowdworking-Plattformen und echten Crowdworkern über diese neue Arbeitsform als Geschäftsmodell diskutiert.

Zur Einstimmung auf das Problem hier vier Literaturangaben:

  • Thomas Klebe: ARBEITSRECHT 4.0: FAIRE BEDINGUNGEN FÜR PLATTFORMARBEIT, in: Friedrich-Ebert-Stiftung, WISO direkt 22/2017

Über den Deutschen Crowdsourcing Verband e.V.

Der DCV hat knapp 200 Mitglieder: Berater, Wissenschaftler, Plattformen und am Thema Interessierte. Er wurde als ältester europäischer Crowdsourcingverband 2011 in Köln gegründet, hat seinen Sitz aber 2016 nach Berlin verlegt. Neben Crowdinnovation, Crowdmarketing und Crowdfunding ist einer der Schwerpunkte seiner Arbeit das Crowdworking. Während Crowdsourcing (outsourcing in die crowd) als Begriff eher die Auftraggebersicht darstellt, umfasst Crowdworking die Sicht der meist solo-selbständigen Auftragnehmer, der Crowd.


 

Über den Autor:

Thomas Andersen, Vorstandsmitglied des DCV seit 2015 und in der Andersen Marketing KG Unternehmensberater in Berlin mit Schwerpunkt Startups und KMU sowie Lehrbeauftragter an diversen Berliner Hochschulen.

 

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