Future Talk auf der Personal Austria: „Der Wert von Zeit ist höher angesehen als der Wert von Geld“

Die Diskutanten beim Future Talk auf der Personal Austria. Quelle: Personal Austria – Jack Tillmanns

Wie wirkt sich die Digitalisierung auf die Unternehmenskultur aus? Dieser Frage gingen beim interaktiven Future Talk auf der Personal Austria 2017 Vertreter von Politik und Wirtschaft nach. Unter der Moderation von Michael Köttritsch, Leiter Ressort Management und Karriere bei Der Presse, diskutierten Isabell Hametner, Senior Vice President Human Resources bei der OMV, Dr. Christian Operschall, Stellvertretender Sektionsleiter und Gruppenleiter der Sektion VI Arbeitsmarkt im Bundessozialministerium, Claudia Winkler, Mitgründerin des Start-ups goood.de, sowie Mag. Regina Hartweg-Weiss, Leiterin Allgemeine familienpolitische Angelegenheiten und Vereinbarkeit von Familie & Beruf beim Bundesfamilienministerium, darüber, wie der digitale Wandel sozial gestaltet werden kann.

Digitalisierung verstärkt berufliche Sinnsuche

Isabell Hametner grenzte zunächst den Begriff Unternehmenskultur ein und merkte an, dass sich dieser auch in Abhängigkeit von Größe und Branche der Unternehmen verändert. Alle Unternehmen stünden jedoch vor der Herausforderung auf Trends wie den aktuellen Wertewandel und die Auswirkungen der Digitalisierung auf alle Lebensbereiche zu reagieren. Claudia Winkler ergänzte, dass mit dem Wertewandel insbesondere die Sinnsuche neue Bedeutung bekäme. „Daran zeigt sich die Schwierigkeit, unterschiedliche Bedürfnisse und Lebensentwürfe miteinander zu verbinden“, fügte Dr. Christian Operschall hin.

Für jüngere Generationen gehört die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zur Arbeitgeberattraktivität dazu. Darauf werden sich Unternehmen einstellen müssen, gerade um dem Fachkräftemangel begegnen zu können. „Die Digitalisierung hilft dabei, denn sie ermöglicht das flexible Arbeiten von überall“, meinte Mag. Regina Hartweg-Weiss. Gleichwohl sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen längst noch nicht an die neuen Arbeitszeitmodelle angepasst. Hier ist die Politik gefordert, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen den neuen Erfordernissen anzupassen. „Die Mitarbeiter wünschen sich flexible Arbeitszeiten, darauf sollte die Politik reagieren“, forderten die beiden Vertreterinnen aus der Wirtschaft. Dr. Operschall appellierte wiederum an die unternehmerische Seite, den Wandel sozial zu gestalten und verwies darauf, dass viele Menschen lieber auf Geld verzichten und stattdessen mehr Freizeit haben möchten.

Isabell Hametner: „Alle Unternehmen stehen vor der Herausforderung auf Trends wie den aktuellen Wertewandel und die Auswirkungen der Digitalisierung auf alle Lebensbereiche zu reagieren.“ Klick um zu Tweeten

„HR-Abteilungen müssen weg von rein struktureller Rolle“

Einig waren sich die Diskutanten darüber, dass die Grundvoraussetzung für das Gelingen des Wertewandels Offenheit und Veränderungsbereitschaft ist. „Wandel kann positiv gestaltet werden“, fasste Claudia Winkler zusammen. Es sei kein Naturgesetz, dass Change-Prozesse automatisch negative Folgen haben. Damit spielte sie auch auf häufige Ängste der Belegschaft in diesem Zusammenhang an. Auf die Personalabteilungen käme daher die Aufgabe zu, eng mit der Unternehmensführung zusammenzuarbeiten, um die Veränderungsprozesse abteilungsübergreifend zu begleiten. „Zudem soll HR durch passende Rahmenbedingungen ein Umfeld schaffen, in dem die Dialogkultur gefördert wird“, fügte Hametner hinzu. Auch die kontinuierliche Weiterbildung der Mitarbeiter sei essentiell.

Grundvoraussetzungen für das Gelingen des Wertewandels sind Offenheit und Veränderungsbereitschaft. Klick um zu Tweeten

Zielsetzungen werden agil

Mit der digitalen Transformation ändert sich neben der Form der Zusammenarbeit auch die Zielsetzung für Unternehmen und Mitarbeiter. Schon heute würden Ziele wochenweise ausgerichtet und kontinuierlich angepasst, berichtete Winkler. Fünf Jahrespläne seien mit der heutigen Schnelllebigkeit kaum noch vereinbar. Hametner resümierte: „Umso wichtiger wird der persönliche Austausch, um die Mitarbeiter mitzunehmen, und um passende Prozesse und Tools zu schaffen.“

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on LinkedInShare on Google+Email this to someone